Le Mans. (art) Einmal geht’s noch, ein letztes Mal wird Fernando Alonso noch bei den legendären 24 Stunden von Le Mans an den Start gehen, dann ist seine Karriere in der Langstrecken-Meisterschaft nach nicht einmal zwei vollen Saisonen auch schon wieder vorbei. Der 37-jährige Spanier hat angekündigt, sich dann "neuen Herausforderungen" widmen zu wollen, ohne seine Pläne näher zu konkretisieren. Doch so kurz sie verlaufen ist, so triumphal könnte die Laufbahn enden. Nachdem Alonso im Frühjahr bei seinem Griff nach der Triple Crown im Motorsport - Siegen beim Formel-1-Rennen in Monaco, in Le Mans sowie beim Indy 500 - durch seinen Ausfall in Indiana gescheitert ist, könnte er in dieser Saison doch noch Geschichte schreiben.

Gewinnt er wie im Vorjahr in Nordfrankreich, wäre er mit zwei Siegen bei zwei Antreten der erste Fahrer seit 80 Jahren mit einer hundertprozentigen Siegbilanz. Seine Partner mit dem Toyota TS050 sind der Franzose Sebastiën Buemi und Kazuka Nakajima - beides absolute Toppiloten.

Dennoch will Alonso vor dem Start am Samstag (15 Uhr/Eurosport) weder vom Sieg, noch vom Gewinn der Meisterschaft, für den ihm schon ein siebenter Rang reichen würde, sprechen. Der wahre Star hier sei nämlich nicht der Fahrer oder die Technik, meint er sinngemäß. Der Star ist Le Mans. "Le Mans sucht sich aus, wer gewinnt, und in gewisser Weise auch, wer die Meisterschaft gewinnt. Dieses Jahr haben wir hoffentlich genug getan, um es zu verdienen", meint Alonso. Ein Ausfall sei nämlich schnell passiert - und damit auch die Meisterschaft verloren.

Komplettpaket Alonso

Freilich ist es auch ein bisschen Tiefstapelei, die der 37-jährige Spanier übt. Denn dass er selbst über mehr als ein Jahrzehnt ein Star der Vierradbranche ist, hat er hinlänglich bewiesen. 2005 war er als Renault-Pilot nicht nur der bis dahin jüngste Weltmeister der Formel-1-Geschichte, sondern auch der erste Spanier, der überhaupt einen Grand Prix gewinnen konnte, was mit seinen weiteren Erfolgen in seiner Heimat für einen nie dagewesenen Hype gesorgt hat. Alonso war allgegenwärtig, der Begriff Alonsomania ein geflügeltes Wort. Nachdem er seinen Triumph 2006 mit Renault wiederholen konnte, wurde er noch drei Mal mit Ferrari Vizeweltmeister. Nur die vergangenen Jahre waren mit McLaren nicht von Erfolg gekrönt. Doch sobald sich das mitunter zum Überhitzen neigende Gemüt des Mannes aus Asturien wieder abgekühlt hatte, schaffte er es immer wieder, sich neuen Herausforderungen zuzuwenden - und mit deren Bewältigung zu zeigen, dass er wohl einer der komplettesten Motorsportler ist. Auch mit seinem Ende in der Langstrecken-WM, bei der in Le Mans mit Rene Binder, Richard Lietz, Thomas Preining, Mathias Lauda und DTM-Titelkandidat Philipp Eng auch fünf Österreicher dabei sind, wird der Motor Alonsos nicht gänzlich ins Stocken kommen. Im Gespräch ist eine Teilnahme an der Rallye Dakar. Zukunftsmusik, freilich. Die Gegenwart heißt Le Mans. Spätestens am Sonntag wird auch die vorbei sein - womöglich mit weiteren Triumphen.