Minsk. Weißrussland und Sport - das war und ist für viele Beobachter und Fans bis heute ein weißer Fleck auf der Landkarte. Das soll sich spätestens mit der feierlichen Eröffnung der zweiten europäischen Olympischen Spiele, die am Freitagabend in der weißrussischen Hauptstadt Minsk über die Bühne geht, ändern. Knapp 4000 Athleten aus 50 Nationen werden im frisch renovierten Dinamo-Stadion erwartet, 200 Medaillen in 23 Disziplinen und 15Sportarten in den nachfolgenden zehn Tagen zu vergeben sein. Auch Österreich ist mit einer 102-köpfigen Delegation, darunter 56 Sportler, vertreten.

Für viele war die Reise am Mittwoch nach Minsk eine Premiere, einige waren aber auch schon bei den ersten Spielen 2015 in Baku mit dabei und holten dort Medaillen. Dementsprechend groß sind daher auch diesmal die Erwartungen, wenn in der kommenden Woche Bettina Plank (Karate), Bernadette Graf (Judo), Olivia Hofmann (Schießen) sowie das Tischtennis-Herren-Team (Stefan Fegerl, Robert Gardos und Daniel Habesohn) erneut in den Ring steigen. 37 Sportler kämpfen in Minsk auch um einen Platz im heimischen Olympia-Team für Tokio 2020. Im Bogenschießen, Tischtennis und Schießen werden direkte Quotenplätze vergeben. In weiteren vier Sportarten (Judo, Karate, Rad, Badminton) geht’s um Qualifikationspunkte.

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Große Hoffnungen haben vor allem die Tischtennis-Spieler. "Für uns ist es die erste Chance auf direkte Quotenplätze, deshalb wird in Minsk die komplette europäische Tischtennis-Elite am Start sein. Wir gehören zu den Mitfavoriten", erklärt ÖTTV-Sportdirektor Karl Jindrak. "Wenn wir uns mit beiden Teams in den Mannschaftsbewerben durchsetzen, hätten wir sechs Startplätze für Tokio fix."

Schwieriger ist hingegen die Ausgangslage bei den Gewehr- und Bogenschützen. Im Schießen musste Österreich zuletzt lange auf einen ersten Erfolg warten, gelang es doch bisher nur Luftgewehr-Spezialist Martin Strempfl, beim Weltcup im Februar in Neu-Delhi einen Quotenplatz für den ÖSB zu sichern. Einen Dämpfer gab’s auch bei der jüngsten Bogenschützen-WM in s’Hertogenbosch, wo man nicht einmal in die Nähe der angestrebten Quotenplätze kam. Bleibt also nur noch Minsk. "Erwarte das Unerwartete - bei uns lässt sich nicht viel voraussagen. Da kommt es in den K.o.-Duellen immer wieder zu Überraschungen", meint Bundestrainer Christian Wöll dennoch optimistisch.

15 Sportstätten

Großen Optimismus hegen auch die weißrussischen Sportverbände. Bereits in Baku war man mit 150 Teilnehmern in beinahe allen Disziplinen und Sportarten vertreten gewesen, in Minsk sind es nun sogar 221. Das ist angesichts des Kontingents, welches das Land bei den jüngsten Olympischen Spielen in Rio de Janeiro stellte (124), doch überraschend. Überhaupt kann sich die Performance Weißrusslands bei Sommerspielen durchaus sehen lassen: 78 Medaillen hat die Ex-Sowjetrepublik seit ihrem ersten Antreten als unabhängige Nation (Atlanta 1996) bereits gesammelt, zwölf davon in Gold, und rangiert damit auf Platz 48 der Weltrangliste. In Baku 2015 regnete es 43 Mal Edelmetall, darunter zehn Stück in Gold. Österreich schaffte es mit 13 Medaillen immerhin noch unter die Top 20.