Spielberg. (art) In Spielberg ist im übertragenen Sinn kein großer Bahnhof; genau genommen liegen die nächsten Umstiegplätze für den öffentlichen Verkehr wenige Kilometer entfernt in Judenburg und Knittelfeld. Und trotzdem wird es in den kommenden Tagen, wenn die Fans zum Formel-1-Grand-Prix am Sonntag (15.10 Uhr) anreisen, ein großes Hallo geben - dem sich auch ein Mann nicht entziehen kann, der sich ansonsten gerne in der Öffentlichkeit rar macht: Von den meisten Bewohnern des steirischen Aichfelds, die von den Umsätzen an den zahlreichen Veranstaltungswochenenden mit den sportlichen Aushängeschildern Formel 1 und MotoGP profitieren, wird Dietrich Mateschitz wenn schon nicht verehrt, so doch als jener Mann respektiert, der der Region einen Revitalisierungsschub verpasst hat, den selbst aus Lärm- und Umweltschutzargumenten anfangs äußerst skeptisch eingestellte Bürgerinitiativen nur schwerlich in Abrede stellen können.

Dass das so bleibt, ist freilich nicht ausgemacht. Denn mit der Fridays-for-Future-Bewegung haben die kritischen Stimmen an Lautstärke wieder zugenommen. Vor einem am Mittwoch (12 Uhr) in Graz geplanten Showrun, in dem Red-Bull-Pilot Max Verstappen in einem 900 PS starken Red-Bull-Racing-Boliden von der Fanzone am Karmeliterplatz vorbei am Uhrturm zu den Kasematten fährt, meldete sich neben der Stadt-KPÖ nun die Klimaschutz-Initiative mit einem Protest gegen die "Verhöhnung unserer Sorgen und Ängste" zu Wort.

- © M. Hirsch
© M. Hirsch

Keinen kritischen Ton gibt es indessen innerhalb der Szene zu den Mateschitz’schen Aktivitäten. Für Mercedes-Teamchef Toto Wolff ist er "der Paradeunternehmer in Österreich schlechthin", wie er sagt. "Ohne ihn gäbe es den revitalisierten Österreich-Ring und die Infrastruktur rundherum nicht, es gäbe nicht zwei Formel-1-Teams, und es gäbe viele junge Fahrer, die unterstützt wurden, nicht." Umgekehrt aber war es auch der Motorsport, der Mateschitz stets geprägt hat. Im benachbarten Mürztal aufgewachsen war er von Jugend an begeistert von den Geschehnissen auf dem 1969 mit Tourenwagenrennen eingeweihten und im Jahr darauf erstmals von der Formel 1 beehrten Österreich-Ring. Bis er ihn allerdings selbst übernahm, sollte viel Gras über die Naturtribüne wachsen. Nach 18 Jahren erfolgte das vorläufige Ende, zwischen 1997 und 2003 das Formel-1-Comeback, ehe Bernie Ecclestone erneut den Abschied verkündete - und in Mateschitz die Übernahmepläne reiften.

- © M. Hirsch
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Parallel dazu war bereits die Erweiterung seines Marketingportfolios - das im Sportbereich in der Sparte Trend und Extrem sowie im Sponsoring von Einzelathleten wie Gerhard Berger schon in den Achtzigern ihren Anfang genommen hatte - um in Österreich populäre Mainstream-Sportarten wie Fußball, Eishockey und eben Motorsport in größerem Stil in vollem Gange. 2005 erfolgten der Kauf von Jaguar und die Umbenennung, kurz darauf wurde Toro Rosso als zweites Standbein und Entwicklungsplattform für junge Fahrer installiert. Ein Engagement, das sich Red Bull durchaus etwas kosten lässt: Insgesamt 272 Millionen Euro soll das Budget alleine des A-Teams im Vorjahr betragen haben, weitere 132 jenes von Toro Rosso.

Die Marke ist alles

In der Formel 1 verfolgt Red Bull eine ähnliche Strategie wie im Fußball, in dem ebenfalls 2005 SV Salzburg gekauft wurde und es Dependancen auf der ganzen Welt gibt. "Sie beziehen Spieler und Trainer aus der eigenen Schule, ähnlich wie wir es in der Formel 1 machen, indem wir unsere Fahrerkader aus den eigenen Reihen rekrutieren", sagt Berater Helmut Marko. Etliche einstige Talente haben den Sprung in die Formel 1 gemacht - der größte Erfolg war Sebastian Vettel beschieden, der Red Bull von 2010 bis 2013 jeweils zum Titel führte. Aktuell rühmt sich Red Bull, mit Patricio O’Ward ein weiteres Zukunftsversprechen ins Nachwuchsprogramm geholt zu haben.

Einen Österreicher - wie zu Beginn Christian Klien - in einem Grand Prix zu haben, wäre indessen zwar schön, ist aber nicht unbedingt Priorität. Schließlich geht es bei allem Lokalpatriotismus, den man in Spielberg mit Dirndl und Co. groß schreiben will, letztlich um die globale Strahlkraft der Marke.