Graz/Spielberg. (rel) Die Mitarbeiterin auf der Bühne hatte sichtlich ihre Not, Max Verstappen zur Entgegennahme der für ihn bereit gestellten Red-Bull-Dose zu bewegen. Man kennt das ja schon von anderen Spitzensportlern wie etwa Marcel Hirscher: Kaum ist eine Kamera auf ihn gerichtet, hat das betreffende Red-Bull-Testimonial sogleich eine Portion Energy Drink in seiner Hand. Im Fall Verstappens, der zuvor im Rahmen einer von Red Bull veranstalteten PR-Road-Show mit einem 900 PS starken Boliden auf den Grazer Schlossberg gefahren war, lag es nur an der Hitze, die den Niederländer zuerst nach dem Zipp-Verschluss seines Rennoveralls greifen ließ. Und das, obwohl die Ziellocation des "Rennens", die deutlich kühleren Kasematten, eigentlich vorausschauend gewählt war.

Das Getränk in der Hand, wurde sodann über den bevorstehenden Österreich-Grand-Prix am Sonntag in Spielberg (15.10 Uhr/ ORF1), den Rennstall, Hauptsponsor Red Bull und das heiße Wetter geplaudert. Kritische Fragen über Sinn oder Unsinn der nicht gerade übermäßig klimafreundlichen Roadshow, wie sie bereits am Vortag die Grazer Kommunisten oder die Klimabewegung "Fridays for Future" formuliert hatten, wiegelte man ab und verwies unter anderem auf den hohen Werbewert, den die ohnehin automotive Stadt mit ihren 55.000 im Automobil-Sektor beschäftigten Einwohnern durch die Verstappen-Fahrt generiere. "Ohne Widerstand passiert nichts Großes auf der Welt", richtete unter anderem Bürgermeister Siegfried Nagl den Kritikern aus.

Rückendeckung erhielt der Politiker von den Formel-1-Fans auf der Straße. Bereits um 9 Uhr hatten sich die ersten Zuschauer auf dem Grazer Karmeliterplatz versammelt, um Verstappen hautnah zu sehen und das eine oder andere Autogramm zu erbitten. Beim "Start" zu Mittag war die aus engen Kurven und Kopfsteinpflaster bestehende Strecke von Tausenden Schaulustigen gesäumt - und das trotz Temperaturen um die 31 Grad im Schatten.

Aus der Sauna zum Sieg?

Beim Grand Prix am Wochenende in Spielberg wird es nicht viel anders sein. Die rund 200.000 Fans erwartet hier eine Hitzeschlacht der Superlative, bei der vor allem die Piloten wie selten zuvor gefordert sein werden. Eine Herausforderung werden, wie Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko betonte, vor allem Reifen und Bremsen darstellen. "So hohe Temperaturen haben wir heuer noch nie gehabt. Das hat Auswirkungen auf die Bremsentlüftung. Gibt man zu viel ab, werden die Reifen heiß, gibt man zu wenig ab, dann leidet die Aerodynamik. Eventuell muss man auch Karosserieteile verändern." Für Verstappen ist die Hitze kein Problem. Er werde aber als Vorbereitung ein bis zwei Mal öfter in die Sauna gehen, scherzte er, fügte aber hinzu, viel Vertrauen in sein Auto zu haben. Mit etwas Glück sei auch ein Sieg drinnen. "Am besten soll es so ausgehen wie letztes Jahr", meinte der 2018 in Österreich siegreiche Niederländer.

Hoffen auf Abwechslung

Tatsächlich wäre ein Sieg von Red Bull in Spielberg nicht nur wegen des speziellen Heimrenn-Charakters, sondern vor allem auch mit Blick auf die maue Stimmung hilfreich. Nachdem Mercedes die Formel 1 nach wie vor überlegen dominiert, scheinen sich die anfänglichen Hoffnungen der Fans auf eine spannende Saison allgemein zu zerschlagen. In der Steiermark jagen die Silberpfeile ihren elften Sieg in Serie, ein Kunststück, das bisher nur einem Team - McLaren-Honda 1988 - gelungen ist. Zahlen aus den vergangenen Jahren verdeutlichen dies: Seit 2014 hat Mercedes 82 von 108 Grand Prix gewonnen, das ergibt beinahe aberwitzige 76 Prozent. Dieser Wert ließ zuletzt selbst Leader Lewis Hamilton vor "Fadesse in der Formel 1" warnen.

Aber vielleicht bringt das heiße Wetter am Wochenende eine Wende? Wie auch immer es kommt, es werden die ersten Österreich-Rennen ohne Mercedes-Aufsichtsratsboss Niki Lauda sein. Ihm ist das Spektakel daher auch gewidmet. Das ORF-Fernsehen überträgt 15Stunden live - die Trainings, das Qualifying und das Rennen.