Den Formel-1-Fans wird in Spielberg einiges geboten. Der Ferrari, mit dem Lauda 1975 seinen ersten WM-Titel geholt hat, ist in der Fanzone ausgestellt. - © apa/Hochmuth
Den Formel-1-Fans wird in Spielberg einiges geboten. Der Ferrari, mit dem Lauda 1975 seinen ersten WM-Titel geholt hat, ist in der Fanzone ausgestellt. - © apa/Hochmuth

Spielberg. (rel) Autofahren in Österreich ist nicht immer so lustig. Schon gar nicht mit einem deutschen Kennzeichen. Während seit einigen Tagen Urlauber, die staubedingt von den Autobahnen auf Landstraßen ausweichen, von der Polizei zurückgeschickt werden - Bayern plant deswegen sogar eine Klage -, findet der wohl berühmteste deutsche Autofahrer, Sebastian Vettel, für die Alpenrepublik nahezu nur lobende Worte - zumindest, was den Formel-1-Zirkus in Spielberg betrifft. Für ihn sei die Rennveranstaltung in der Steiermark "der schönste Grand Prix im ganzen Jahr", verlautete er am Freitag, fügte aber hinzu, dass die Strecke etwas länger sein könnte. "Ich bin ja Deutscher, also muss man ja auch was finden, worüber man sich beschweren kann. Also, einen Tick länger wäre perfekt."

Den rund 200.000 erwarteten Fans, die seit Tagen die Pensionen und Camping-Plätze in Spielberg stürmen, wird dieser Aspekt eher egal sein. Nachdem sie den Stau auf der Autobahn hinter sich gelassen haben, stellen sie sich auf ein langes und vor allem brütend heißes Rennwochenende ein. Die Organisatoren des Spektakels reiben sich indessen die Hände. "Es ist positiv zu bewerten, dass die Menschen anscheinend das Produkt annehmen und bereit sind, ihr Wochenende hier zu verbringen", erklärt Spielberg-Markting-Chef Philipp Berkessy. Der Prokurist führt die starken Besucherzahlen trotz der erwarteten Hitze unter anderem auf das umfangreiche Rahmenprogramm, das die Tickets aufwertet, zurück. Vom Boxengassenbesuch über Konzerte und Autogrammstunden erwartet die Rennfans am Ende neben dem Rennen an sich auch eine spektakuläre Legenden-Parade mit Star-Fahrern und Supercars. "Deshalb verbringen die meisten Besucher auch die vollen vier Tage hier, um den Mehrwert des Tickets ausnützen zu können", sagt Berkessy.

- © APA/GEORG HOCHMUTH
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Im Mittelpunkt des Rahmenprogramms steht aber der im Mai verstorbene Dreifach-Weltmeister Niki Lauda. Ihm ist in der Spielberger Formel-1-Fanzone ein eigener Bereich gewidmet. Dort wird unter anderem das Original jenes McLaren-Rennwagens gezeigt, mit dem Lauda 1984 in Österreich gewonnen hat. Ein weiteres Auto, der Weltmeister-Ferrari von 1975, ist an anderer Stelle zu sehen. Außerdem steht auch der Tunnel, der vom Strecken-Eingang ins Fahrerlager führt, ganz im Zeichen von Niki Nazionale. "Österreichs Motorsport-Ikone wird immer Teil der Formel-1-Familie und der heimischen Rennstrecke sein", heißt es da auf einer Schautafel.

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Dass man heuer speziell Lauda gedenkt, dürfte auch eine gewisse Auswirkung auf den Zuschauer-Zuspruch haben. "Das ist sicher auch ein Faktor, weil es ein starkes nationales Thema ist", glaubt Berkessy. Hilfreich sei aber auch, dass man durch die gute Zusammenarbeit mit Neo-Eigentümer Liberty Media beim Bespielen des Events aus dem Vollen schöpfen könne. Dass laut Red-Bull-Konsulent Helmut Marko aufgrund des Rahmenprogramms selbst bei 200.000 Besuchern keine schwarze Null erwirtschaftbar sei, damit versucht man am Ring zu leben. Berkessy: "Wir versuchen ständig, die Ergebnisse zu verbessern." Erfreulich sei, dass sich nach einer Restrukturierung der Veranstaltungen das bisher erfolgreichste Jahr für Spielberg abzeichnet.