Spielberg. (rel/apa) Da sage noch einer, die Formel 1 sei nicht mehr spannend. Das beste Beispiel dafür, wie knapp es auf der Strecke zugehen kann und welche Überraschungen auf die Fans warten, war der Österreich-Grand-Prix am vergangenen Wochenende im steirischen Spielberg. Statt der zuletzt oft kritisierten Langeweile bekamen die rund 200.000 Anhänger eine anspruchsvolle Rennschlacht zwischen zwei Proponenten geliefert, die man so nicht erwartet hatte.

Dabei standen nicht wie so oft die Mercedes-Piloten Lewis Hamilton und Valtteri Bottas im Fokus des Geschehens, sondern zwei Jungspunde - Red-Bull-Star Max Verstappen (Nl) und sein monegassischer Ferrari-Kollege Charles Leclerc. "Der Große Preis von Österreich an diesem Sonntag war ein Beispiel dafür, wie alle Rennen sein sollten, und wieviel man tun kann, um die Zuschauer in Spannung zu versetzen", schrieb die spanische Zeitung "Mundo Deportivo" am Montag. Und tatsächlich hätte wohl kein Hollywood-Drehbuch einfangen können, was sich da zwischen Red-Bull-Tribüne und Pirelli-Kurve abspielte - wie Verstappen nach einem missglückten Start plötzlich durchs Feld pflügte, um dann Leclerc in einem dramatischen Finish noch den Sieg zu entreißen. Einziger Wermutstropfen: Die Entscheidung für Verstappens Sieg fiel, nachdem Verstappen Leclerc beim Überholen abgedrängt und dieser sich beschwert hatte, erst nach zähen Beratungen der Stewards am grünen Tisch.

Eines lässt sich jetzt schon mit Bestimmtheit sagen: Leclerc und Verstappen, beide erst 21 Jahre alt, sind die Zukunft der Formel 1. Dass sich Leclerc im langsameren Auto hartnäckig gegen den Niederländer wehrte, der im orangen Hexenkessel (mit 20.000 holländischen Fans) zur Hochform auflief, demonstrierte Talent und Willen. Dass sich das Duo nach Verstappens Überholmanöver in der 69. Runde nichts mehr zu sagen hatte, ist ein Hinweis auf einen Zweikampf zweier potenzieller Champions mit bösem Blut. Der dürfte der Formel 1 wohl auf Jahre hinaus Schlagzeilen liefern. "Die Formel 1 brauchte einen Motivationsschub, und die Jungen haben genau das geliefert. In ihrem Windschatten wurde die ältere Garde zu Nebendarstellern", stellte der britische "Guardian" richtig fest. Dass Sebastian Vettel im zweiten Ferrari WM-Favorit Hamilton in der Schlussphase ebenfalls überholte, wäre normalerweise ja eine Sensation. Am Sonntag war es nur Randnotiz. Indessen spielten sich nach erfolgter Bestätigung des Verstappen-Sieges durch die Stewards im Red-Bull-Wing tumultartige Szenen ab. Firmengründer Dietrich Mateschitz fiel dem Niederländer und Sportchef Helmut Marko um den Hals, der wirkte entspannt und losgelöst wie selten. "Ich will einen Drink und das einfach nur genießen", meinte er.

28 Vergehen, 45 Spitalfahrten

Kaum Zeit für einen Drink hatten indessen die Einsatzkräfte am Österreich-Ring. Die Polizei berichtete von 28 Vergehen, sechs Sachbeschädigungen und acht Verkehrsunfällen. Das Rote Kreuz kam inklusive Rennen über das Wochenende auf rund 500 Versorgungen, 45 Menschen mussten in Spitäler gebracht wurden. Vor allem die Hitze sorgte für Notfälle. Die Polizei zählte rund 14.400 Pkw, 130 Motorräder und mehr als 100 Busse auf den Parkplätzen. Bei der Abreise kam es zu Staus. Das Hupkonzert dürfte von vielen eines aus Freude gewesen sein.