Novak Djokovic war einfach zu flink für David Goffin - Dreisatzsieg im Wimbledon-Viertelfinale. - © reuters
Novak Djokovic war einfach zu flink für David Goffin - Dreisatzsieg im Wimbledon-Viertelfinale. - © reuters

London. Novak Djokovic ist auf dem Weg zur erfolgreichen Titelverteidigung beim Grand-Slam-Turnier von Wimbledon exzellent unterwegs. Der serbische Weltranglistenerste zog am Mittwoch mit einem klaren 6:4,6:0,6:2-Erfolg gegen den als Nummer 21 gesetzten Belgier David Goffin ins Halbfinale ein. Djokovic steht zum neunten Mal beim Rasenklassiker in der Vorschlussrunde. Nächster Gegner des 32-jährigen vierfachen Wimbledon-Champions ist am Freitag der Spanier Roberto Bautista Agut, der sich im Duell der Außenseiter gegen den Argentinier Guido Pella in vier Sätzen durchsetzte.

Es war eine wahre Machtdemonstration mit (fast) perfektem Tennis, das der Serbe auf dem Center Court ablieferte. Kann er diese Form bis Sonntag halten, wird er im All England Lawn Tennis and Croquet Club nur schwer zu schlagen sein. Dabei hatte Goffin einen hervorragenden Start in die Partie. Der 28-jährige Belgier lag im ersten Satz mit einem Break sogar mit 4:3 in Führung - spektakuläre Ballwechsel begeisterten das Publikum. Doch Djokovic schaffte sofort das Rebreak, was Goffin völlig aus der Konzentration brachte. Djokovic holte sich anschließend nicht nur Satz eins, sondern auch zehn Games in Serie - womit er dem Belgier im zweiten Durchgang die Höchststrafe erteilte. Erst zum 1:1 im dritten Satz gab es unter dem aufmunternden Applaus des Publikums wieder einen Spielgewinn für Goffin. "Er hat sehr gut begonnen und das Spiel von der Grundlinie diktiert. Dann habe ich das Rebreak geschafft. Wer weiß, wie das Match ausgegangen wäre, wenn ich den ersten Satz verloren hätte. Aber so habe ich ein sehr gutes Match gespielt", sagte Djokovic, der aber in der Runde der besten Vier in bester Gesellschaft ist: Denn auch Roger Federer steht nach einem 4:6, 6:1, 6:4, 6:4 gegen den Japaner Kei Nishikori, seinem 100. Einzelsieg in Wimbledon, im Halbfinale, ebenso Rafael Nadal nach einem 7:5, 6:2, 6:2 über Dominic Thiems Erstrundenbezwinger Sam Querrey. Die beiden treffen nun im Halbfinal-Klassiker aufeinander.

Williams fehlen zwei Siege

Bei den Damen verfolgt indes Superstar Serena Williams eines ihrer letzten sportlichen Ziele. Mit einem Triumph in London würde die 37-jährige US-Amerikanerin ihren 24. Grand-Slam-Titel holen und damit den Rekord der Australierin Margaret Court einstellen. Im Halbfinale wartet am Donnerstag die Tschechin Barbora Strycova als Hürde. "Ich glaube an mich selbst", bekräftigte Williams.

Sie fühle sich nach einigen verarbeiteten Krisen nun jedenfalls wieder stark genug, um es mit der Konkurrenz in Wimbledon aufnehmen zu können. Eine dieser Krisen hat jetzt den Weg zurück in die Öffentlichkeit gefunden: Nach der denkwürdigen Final-Niederlage bei den US Open gegen die Japanerin Naomi Osaka im September habe sie sogar therapeutische Hilfe in Anspruch genommen. Das schrieb Williams in einer jetzt erschienen Kolumne für das US-Magazin "Harper’s Bazaar", in dem sie mit teilweise freizügigen Fotos abgebildet ist.

In jenem Match hatte die jahrelange Nummer eins der Welt nach verbotenen Zeichen ihres Trainers und heftiger Schiedsrichter-Kritik drei Strafen kassiert, darunter einen Game-Verlust. Anschließend hatte sie dem Unparteiischen unterstellt, er würde Männer in dieser Situation anders behandeln. Davon wich sie auch jetzt nicht ab: "Warum werden Frauen als ‚emotional, verrückt und irrational‘ abgestempelt, wenn sie leidenschaftlich werden", fragte sie. "Aber wenn das Männer machen, werden sie als leidenschaftlich und stark angesehen?" Jede Nacht seien ihre Gedanken anschließend darum gekreist. Sie sei aus Schlafmangel erschöpft gewesen.

Das zweite Semifinale bestreiten die ehemalige Weltranglisten-Leaderin Simona Halep aus Rumänien und Elina Switolina - Letztere als erste Ukrainerin im Semifinale eines Majors.•