Es konnte leider nur einen Sieger geben: 2008 musste Federer (l.) Nadal zum Wimbledon-Triumph gratulieren. - © afp/Souza
Es konnte leider nur einen Sieger geben: 2008 musste Federer (l.) Nadal zum Wimbledon-Triumph gratulieren. - © afp/Souza

London. In Österreich war es bereits nach 22 Uhr und also finster, als sich Rafael Nadal nach fünf aufregenden Sätzen im heiligen Staub von Wimbledon wälzte. Um anschließend im Überschwang der Gefühle in guter alter Pat-Cash-Manier in die Loge des (damaligen) spanischen Prinzen Felipe und seiner Prinzessin Letizia zu kraxeln, um sich persönlich die ersten Glückwünsche abzuholen. Derweil starrte ein gewisser Roger Federer gen Boden, realisiert habend, nach fünf Triumphen in Serie als König von Wimbledon soeben enthront worden zu sein. Es war der 6. Juli 2008, als in der berühmtesten Tennisanlage der Welt das womöglich beste Endspiel aller Zeiten gespielt wurde. Am Freitag (ab 16 Uhr/Sky), also elf Jahre später, stehen der Spanier und der Schweizer immer noch an der Weltspitze und geben im Halbfinale des Rasen-Klassikers ein Dacapo ihrer Tenniskunst.

"Treffen zweier Titanen"

Und wie nach dem epischen Finale 2008 überbieten sich die Medien - und nicht bloß der Boulevard - in Superlativen. Vom "Giganten-Halbfinale" und "Blockbuster-Halbfinale", schrieb etwa der "Daily Mirror". Auch die beiden Hauptdarsteller ringen nach passenden Worten. "Es ist eine einmalige Situation. Es ist aufregend, diese Gelegenheit wieder zu haben", sagte der 33-jährige Nadal, der 2010 seinen Wimbledon-Coup hatte wiederholen können. "Es bedeutet mir viel - und ihm wahrscheinlich auch", ergänzte der Spanier. Der achtfache Wimbledon-Champion Federer wiederum meinte, er würde es lieben, hier in London gegen seinen großen Rivalen zu spielen: "Es wird schwierig. Ich hoffe, es wird sich in meine Richtung entwickeln."

Vor elf Jahren fiel hier, im All England Lawn Tennis and Crocquet Club, die Tenniskugel in der Verlängerung des fünften Satzes nicht auf die Seite des Schweizer Rekordsiegers. Nach vier Stunden und 48 Minuten sowie zwei Regenunterbrechungen siegte Nadal mit 6:4, 6:4, 6:7 (5), 6:7 (8) und 9:7. Danach konnte selbst Federer seine Enttäuschung nicht verbergen: "Es ist ein Desaster und wahrscheinlich die bitterste Niederlage seit langem." Ganz anders war die Gemütslage beim Mallorquiner. "Das war das emotionalste Match in meinem Leben. Hier zu gewinnen, ist für uns Spanier nur sehr schwer vorstellbar."

Die britische Presse hob das Match trotz der nicht gerade an Höhepunkten armen Wimbledon-Historie mit Protagonisten wie Björn Borg, John McEnroe, Jimmy Connors, Boris Becker oder Pete Sampras sogleich in den Olymp: "Das war das großartigste Finale. Das war ein sportliches Aufeinandertreffen zweier Titanen", schrieb die "Daily Mail". Und "The Guardian" sekundierte: "Das Finale der Finali, das beste Match aller Zeiten."

Nun steht zum 40. Mal der Kampf der zwei Tennis-Protagonisten, die seit mehr als einem Jahrzehnt den Sport prägen, an. Auf der prominentesten Bühne ihrer Sportart ist dieses Rasen-Duell zudem der erste Showdown seit dem Finale 2008. Bisher hat es erst drei Kräftemessen auf Rasen gegeben, jeweils im Finale: 2007 hatte Federer den Spanier in fünf Sätzen niedergerungen, 2006 benötigte er vier Sätze.

Das jüngste Duell der beiden hat wenig Aussagekraft: Am 7. Juni blieb der 37-jährige Schweizer an einem windigen Halbfinal-Tag bei den French Open ohne Chance - nur neun Spiele gönnte ihm der vier Jahre jüngere Spanier. Schon damals wies Federer sogleich darauf hin, dass die Niederlage auf der roten Asche von Roland Garros vor dem schnellen Wiedersehen auf dem grünen Rasen irrelevant sei. Schließlich ist für den 20-fachen Grand-Slam-Champion Wimbledon, was für den 18-fachen Grand-Slam-Gewinner Nadal Paris ist.

Klar ist für jeden Tennisfan, dass es eines der letzten Matches der beiden gegeneinander sein wird. "Aber noch sind wir da", betonte Nadal. Angesichts der Blessuren, der Pausen und Zweifel wurde Nadal und Federer schon vor Jahren das nahende Karriereende angedichtet. "Viele haben schon 2008 über ihn gesagt: Oh, das ist das Ende. Ähnlich war es bei mir 2009", meinte Federer im Rückblick.

Noch hat der diesmalige Sieger aber in Wimbledon nichts gewonnen, zumal sich im Finale am Sonntag mit dem Serben Novak Djokovic ein weiterer Gigant und Turnierfavorit aufbäumt (er ist im ersten Halbfinale gegen den Spanier Roberto Bautista Agut haushoher Favorit).