Seoul. Knapp eineinhalb Jahre nach den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang findet in Südkorea ab Freitag mit den Schwimm-Weltmeisterschaften in Gwangju das nächste sportliche Großereignis statt. Für die bis 28. Juli im Südwesten des Landes angesetzten Titelkämpfe haben 2623 Aktiven aus 194 Ländern genannt, eine laut Weltverband Fina rekordverdächtige Teilnehmerzahl. Aus sportlicher Sicht stehen die Wettbewerbe diesmal ein Jahr vor den Olympischen Spielen in Tokio international wieder besonders im Fokus. Es geht um Olympia-Limitzeiten und in den Staffeln um -Fixplätze für die Spiele 2020.

Eine Hoffnung müssen die Organisatoren kurz vor der Eröffnung aber wohl endgültig begraben: Alle Aufrufe in Richtung Nordkorea, eigene Sportler zu schicken, verhallten. "Die Chancen sind jetzt nur noch sehr gering", sagte ein Sprecher des nationalen olympischen Komitees. Dabei sollten die Titelkämpfe unter dem Slogan "Dive into Peace" (Sprung in den Frieden) nicht nur aus organisatorischer Sicht an die erfolgreiche Ausrichtung der Spiele von Pyeongchang anknüpfen. Die Winterspiele hatten auch die innerkoreanische Annäherung einschließlich des sportlichen Austausches weitergebracht. Die Führung des isolierten Landes im Norden schickte damals nicht nur Athleten, sondern auch hochrangige Delegationen.

Südkoreas Präsident Moon Jae-in und der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un einigten sich im September zudem bei einem ihrer Gipfeltreffen auch auf eine gemeinsame Bewerbung um die Olympischen Spiele 2032. Durch die Zusammenarbeit bei internationalen Wettbewerben könnten beide Länder für ihre Bewerbung Punkte sammeln. Auch bei den Olympischen Spielen in Tokio 2020 sollen gemeinsame Teams gebildet werden.

Österreich ist in Südkorea mit elf Athleten am Start. Die wohl aussichtsreichste Aktive, Kurzbahn-WM-Silbermedaillengewinnerin Caroline Pilhatsch, hat ihren ersten Einsatz erst am 22.Juni. In den Startblöcken steht indes schon David Brandl, der knapp drei Jahre nach seinem Umstieg vom Becken ins Freiwasser am Dienstag seine große Bewährungsprobe hat. Beim 10-Kilometer-Bewerb geht es um die ersten zehn Tickets für Olympia 2020. Dreimal war der Oberösterreicher bei Sommerspielen als Beckenschwimmer dabei, nun soll es auch im Open Water klappen.

Sozusagen als Ouvertüre geht es am Samstag im Yeosu-Expo-Ocean-Park über fünf Kilometer um WM-Medaillen. Erklärtes Ziel ist natürlich, unter 80 Teilnehmern in die Top Ten zu kommen. "Ich muss einen mega-guten Tag haben, dann ist es möglich", so Brandl. "Es ist auch Glückssache." Denn es hänge auch davon ab - wie bei Radstraßenrennen - die "richtige Post" zu erwischen. Sollte es mit dem Olympia-Ticket nicht klappen, gibt es im Frühjahr noch einen Qualifikationsevent, bei dem neun weitere Tokio-Fahrkarten vergeben werden. Dazu kommt je Kontinent noch ein weiterer Startplatz.