Silverstone. Jetzt also auch noch das: Als ob Ferrari derzeit nicht genügend Probleme hätte, musste sich die Scuderia in den Tagen vor dem Grand Prix von Großbritannien am Sonntag in Silverstone (15.10 Uhr) auch noch mit illegalen Einwanderern herumschlagen. Wie die Polizei von Northamptshire am Freitag vor den ersten freien Trainings bekannt gab, haben Sicherheitskräfte bereits am Mittwoch zwei Personen festgenommen, die sich in einem Truck der Scuderia versteckt hatten.

Laut Medienberichten sollen die Flüchtlinge im französischen Calais während einer Zollkontrolle an Bord des Lkw gelangt sein, um illegal in Großbritannien einzureisen. Aus welchem Land die beiden Personen stammen, ist nicht bekannt, die Einwanderungsbehörden wurden informiert. Das Fahrzeug der Italiener befand sich auf dem Weg vom Stammsitz in Maranello zum Rennkurs gut 100 Kilometer nordwestlich von London und war mit Formel-1-Equipment beladen. Die Arbeiten der Scuderia sollen von dem Vorfall nicht beeinträchtigt gewesen sein, hieß es seitens der Behörden. Ferrari gab indessen keine Stellungnahme ab, zu sehr ist man derzeit mit eigenen Problemen beschäftigt.

Denn Ferrari, ein selbsternannter Titelanwärter für diese Saison, fährt bisher in der WM trotz guter Ansätze nur hinterher. In der WM-Wertung liegt Sebastian Vettel, der nach vier WM-Triumphen für Red Bull von 2010 bis 2013 endlich auch für den Traditionsrennstall den Titel holen will, nur auf dem vierten Platz hinter Weltmeister und Spitzenreiter Lewis Hamilton und dessen Mercedes-Teamkollegen Valtteri Bottas sowie Red-Bull-Jungstar und Spielberg-Sieger Max Verstappen. Unmittelbar hinter dem Deutschen ist sein monegassischer Teamkollege Charles Leclerc klassiert, von dem Vettel auch teamintern harte Konkurrenz für die Zukunft droht.

Immerhin ist man in der Konstrukteurs-Wertung zweite Kraft hinter dem seit Jahren dominierenden Mercedes-Team und vor Red Bull, das aber ebenfalls Ansprüche auf Höheres geltend macht. Für Red-Bull-Teamchef Christian Horner ist Verstappen derzeit ohnehin "der beste Fahrer der Welt", wie er der Konkurrenz vor dem Grand Prix in Silverstone ausrichten ließ. Im Training am Freitag konnte sich Ferrari jedenfalls nicht entscheidend in Szene setzen. Am Vormittag belegten Leclerc und Vettel bei der Bestzeit von Red-Bull-Pilot Pierre Gasly die Plätze fünf und sechs, am Nachmittag verbesserten sie sich hinter dem Mercedes-Duo Bottas und Hamilton auf drei und vier.

Verbesserte Aerodynamik

Vettel will das Rennen um die Spitze allerdings noch nicht kampflos aufgeben. An Silverstone hat er gute Erinnerungen, konnte er doch den Bewerb im Vorjahr für sich entscheiden. "Es gibt keinen Grund, nicht daran zu glauben", sagte er. Allerdings, schränkte er ein, sei der mögliche Titelgewinn "auch nicht mein erster Gedanke, wenn ich aus dem Bett komme". Um mit Mercedes mithalten zu können, brauche es aber "ein stärkeres Paket", sagte Vettel. "Es reicht nicht, die anderen nur herauszufordern."

Einen Schritt will man mit Adaptionen an der Aerodynamik, die zuletzt an den Boliden vorgenommen wurden, gemacht haben; ob es allerdings reicht, den Favoriten auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke Paroli bieten zu können, wird sich erst weisen. Teamchef Mattia Binotto jedenfalls bremste bewusst die Erwartungen: "Wir erwarten nicht, dass Silverstone besonders zu unserem Auto passt." (art)