Die Besten aller Zeiten: Serena Williams könnte mit Margaret Court (r.) gleichziehen (Bild vom Melbourne-Triumph anno 2010). - © afp
Die Besten aller Zeiten: Serena Williams könnte mit Margaret Court (r.) gleichziehen (Bild vom Melbourne-Triumph anno 2010). - © afp

London. Mehr als zwei Jahrzehnte nach ihrem Debüt und 17 Jahre nach dem Premieren-Erfolg kann Ausnahme-Tennisspielerin Serena Williams in Wimbledon für einen weiteren Meilenstein sorgen. Gewinnt die Favoritin am Samstag (15 Uhr/Sky) das Finale gegen die Rumänin Simona Halep, würde sie mit dem 24. Grand-Slam-Titel den 46 Jahre alten Allzeit-Rekord der Australierin Margaret Court einstellen.

Zwölf Monate nach dem verlorenen Wimbledon-Endspiel gegen die Deutsche Angelique Kerber ist Williams die klare Favoritin. Dabei war die siebenfache Wimbledonsiegerin und Mutter der noch nicht ganz zweijährigen Alexis Olympia zuletzt eher in der Rolle einer Gelegenheitsspielerin. Jetzt ist sie die älteste Finalistin bei einem Grand Slam in 51 Jahren Profi-Tennis, das Finale steigt 75 Tage vor ihrem 38. Geburtstag. Zum Vergleich: Die Australierin Court war bei ihrem 24. Titelgewinn (USOpen 1973) erst 31 Jahre und 55 Tage alt.

Williams hatte zuletzt freilich mit Formschwankungen zu kämpfen. "Ich hätte das definitiv vor einem Monat nicht vorhergesagt, aber hier bin ich", sagte die ehemalige Nummer eins. Bei den French Open hatte Williams in der dritten Runde gegen ihre relativ unbekannte US-Kollegin Sofia Kenin in zwei Sätzen verloren. Im Frühjahr war sie wegen Knieschmerzen und einer Viruserkrankung kaum angetreten oder hatte aufgegeben. Zudem hat sie nach dem verpassten Wimbledon-Sieg auch im US-Open-Finale 2018 den angestrebten Grand-Slam-Rekord verfehlt.

Simona Halep hat deutlich mehr Matchpraxis

Dass sie mit wenig Matchpraxis nach London kam und zuvor nicht einmal ein Drittel so viele Matches wie Halep bestritt, thematisierte sie selbst immer wieder. Der schnelle Rasen in Wimbledon könnte für die kraftvolle Aufschlägerin die letzte Chance auf einen Grand-Slam-Sieg sein. Denn wie lange wird sie tatsächlich noch um die Welt touren? Sie sei ganz ruhig und entspannt, betonte Williams indes nach ihrem Finaleinzug. "Ich liebe es noch immer, was ich mache", sagte sie nach dem Halbfinalsieg über Barbora Strycova aus Tschechien. "Und ich bin noch immer ziemlich gut darin." Gleichzeitig gestand sie aber, dass sich das "bei mir von Tag zu Tag ändern" könne. "Ich bin weit davon entfernt, perfekt zu sein." Rein statistisch ist die Sache freilich klar: Von bisher zehn Duellen der beiden hat Williams neun gewonnen. Einzig bei den WTA-Finals 2014 triumphierte Halep.

Die Rumänin war zehn Jahre alt, als Williams zum ersten Mal in Wimbledon aufschlug. Ihre Mutter habe damals schon gesagt, es sei ihr Traum, ihre Tochter einst im Finale des Rasenklassikers zu sehen. "Heute wird ihr Traum wahr, das ist ein spezieller Tag", erzählte Halep nach ihrem Halbfinalerfolg gegen die Ukrainerin Elina Switolina, der sie zum ersten Mal ins Endspiel am heiligen Rasen brachte.

Im Laufe des Turniers, in dem sie so wie Williams nur zwei Sätze abgeben musste, bewies Halep, dass ihr Agieren auf dem Court facettenreicher als in der Vergangenheit ist - auch auf Gras. "Mein Spiel ist besser, ich kann überall gegen jeden spielen", stellte die French-Open-Siegerin 2018 fest. "Ich verwende vermehrt den Slice, das Service hilft mir."

Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten ist vor dem Duell mit der lebenden Legende jedenfalls groß. "Ich habe Selbstvertrauen und keine Angst mehr davor, wie der Ball aufspringt. Ich fühle mich auch bei der Beinarbeit stabil, was auf Gras sehr wichtig ist", berichtete Halep, die die Jahre 2018 und 2017 als Nummer eins der Welt abschloss. "Klar ist sie eine große Herausforderung für mich", sagte die Rumänin. "Aber ich bin mental stärker geworden und glaube an meine Chance."

Novak Djokovic im Herren-Endspiel

Bei den Herren ist Novak Djokovic am Freitag programmgemäß ins Wimbledon-Endspiel eingezogen: Der 32-jährige Serbe bezwang den spanischen Überraschungs-Halbfinalisten Roberto Bautista Agut (31) in vier Sätzen - 6:2, 4:6, 6:3 und 6:2. Lediglich im zweiten Satz konnte der Spanier eine Schwächephase des Titelverteidigers und Weltranglistenersten zu einem frühen Break nutzen. Djokovic duelliert sich nun im Finale am Sonntag (15Uhr/Sky) mit dem Sieger des Klassikers Rafael Nadal vs. Roger Federer.