North Berwick. (rel/apa) Um die 1,034 Millionen Euro, die Bernd Wiesberger am Wochenende als Sieger der Scottish Open überwiesen bekommen hat, lassen sich eine Menge Uhren kaufen. Zumindest zählen die tickenden Geräte zu den ausgefallenen Hobbys des österreichischen Golfprofis - neben dem Film versteht sich. Dabei wäre das, was der 33-Jährige am Sonntag auf dem Grün von North Berwick gezeigt hat, auch filmreif gewesen. Dafür sorgte neben der sportlichen Leistung vor allem die seltene Spannung im Finale, als die Entscheidung des Stechens im Duell mit dem Franzosen Benjamin Hebert erst am dritten Extraloch fiel. Für Wiesberger bescherte dieser Triumph nicht nur den höchsten Siegerscheck seiner bisherigen Karriere, sondern auch den 40. Platz in der Weltrangliste sowie eine sehr gute Ausgangssituation für die am Donnerstag im nordirischen Royal Portrush Golf Club startenden British Open.

Tatsächlich sind die hohen Erwartungen nicht unbegründet. So prächtig wie derzeit ist es für den Burgenländer selten gelaufen. Die Verletzungen und Probleme des abgelaufenen Jahres scheinen wie verflogen, weswegen Wiesberger seine Hochform auch beim dritten Major-Event des Jahres ausspielen möchte. Dass in Portrush auf einem Links-Kurs gespielt wird, erweist sich dabei als glückliche Fügung. "Offensichtlich funktioniert mein Links-Golf. Ich nehme das Positive aus den vergangenen beiden Wochen in das finale Major in diesem Jahr mit", sagte Wiesberger am Montag optimistisch. Er erinnerte noch einmal daran, dass er vor acht Tagen für die British Open noch nicht einmal fix qualifiziert war: "Ich nehme alles als großen Bonus, was nächste Woche kommt." Jedenfalls kann der Profi nach einem "langen Tag" im Renaissance Club in North Berwick nahe Aberdeen endlich wieder befreit durchatmen - und war dabei durchaus zu Späßen aufgelegt.

Im Race to Dubai vorn

"Habe ich Haggis zwischen den Zähnen?", scherzte er etwa beim Siegesfoto mit der Silbertrophäe in der Hand. Irgendwie konnte er es noch nicht glauben. Nach dem Erfolg im dänischen Farsö Ende Mai und Platz zwei bei den Irish Open vor einer Woche konnte er in Schottland also weiter nachlegen. Im Race to Dubai, wo der beste Spieler der Saison in der European Tour gekürt wird, liegt er sogar voran.

Wiesberger, aber auch seinen Anhängern werden die Momente, die zum Sieg geführt haben, lange in Erinnerung bleiben: Die Entscheidung fiel wie erwähnt bei je 22 unter Par am dritten Extraloch des Stechens im Duell mit Hebert. Der Franzose hatte zunächst Möglichkeiten auf den Sieg, zeigte aber Nerven und ließ diese ungenutzt. Wiesberger ergriff wiederum die Chance, nachdem es zuvor für ihn nicht ganz nach Wunsch gelaufen war. Mit einer 69er-Runde schrieb er am Schlusstag die höchste im Turnierverlauf an. Die Reaktion des Österreichers nach dem entscheidenden Schlag war eine eher gelöste als euphorische. Die Freude kam erst später. "Es war ein bisschen hart für mich, ich habe den Ball nicht so gut getroffen wie in den ersten drei Tagen", sagte er. "Er (Hebert, Anm.) hätte es schon auf den ersten beiden Löchern entscheiden können. Ich bin sehr dankbar, wie es hier gelaufen ist."

"Erfolg schmeckt süß"

Für den erst Ende November 2018 nach einer Handgelenksoperation aufs Grün zurückgekehrten Wiesberger läuft es aber auch insgesamt. In der Weltrangliste schaffte er die Rückkehr in die Top 40, wobei er im am Montag veröffentlichten Ranking gleich 43 Plätze gut machte. Ins Jahr gestartet war Wiesberger auf Platz 185, seine bisher beste Platzierung im Weltranking war der 23. Rang im Juli 2015. Der Sieg in Dänemark habe sein Momentum gesteigert, gab er in North Berwick an. "Wenn man bedenkt, in welchen Situationen ich letztes Jahr war, wo ich keine Kontrolle hatte, was als nächstes passiert - dann schmeckt der Erfolg jetzt noch viel süßer und man schätzt es noch viel mehr." Bei den British Open gibt es noch viel Luft nach oben. Wiesbergers beste Major-Platzierung war hier ein 64. Rang (2013).

Für Matthias Schwab lief es in Schottland hingegen nicht so gut. Er hat bereits den Cut verpasst. Rang drei sicherte sich im Renaissance Golfclub der auch nach der dritten Runde drittplatzierte Franzose Romain Langasque.