Toulouse/Wien. Alle paar Jahre radelt sich ein Franzose bei der Tour de France in die Fantasie seiner Landsleute. Sie müssen ja schon lange warten auf einen Nachfolger Bernard Hinaults, der 1985 die Tour gewann. Es gab zwar einige große Hoffnungen, doch sie blieben knapp (Laurent Fignon), etwas weniger knapp (Richard Virenque) oder sehr deutlich (Christophe Moreau) hinter einem solchen Erfolg und den Erwartungen der Nation.

Nun hat Frankreich wieder so einen Fahrer, über den das Land spricht und den die Sportzeitung "L’Equipe" auf ihr Cover hievt -weshalb natürlich erst recht über ihn gesprochen wird: Julian Alaphilippe, der seit Tagen im Gelben Trikot fährt und auch am Mittwoch bei einer Sprintetappe dieses Trikot erfolgreich verteidigte. Der Sieg in Toulouse ging an den Australier Caleb Ewan.

Alaphilippe ist freilich kein Unbekannter im Peloton, er hatte im Vorjahr das gepunktete Trikot des besten Bergfahrers bei der Tour geholt und zwei Etappen gewonnen. Doch der 27-Jährige ist bisher eher ein Mann für den einen besondern Tag, die eine Etappe oder die Frühjahrsklassiker. Heuer siegte der Franzose bei Mailand-San Remo, im Vorjahr beim Flèche Wallonne.

Dass Alaphilippe Gelb eroberte, ist also nicht die große Sensation. Aber wie lange kann er es behalten? Erst jetzt wird es nämlich so richtig ernst. Am Donnerstag stehen zwei Berge der ersten Kategorie auf dem Etappenplan, die sollte der grundsätzlich gute Bergfahrer noch erfolgreich bewältigen können.

Das Wochenende
der Vorentscheidung

Doch dann: Zeitfahren am Freitag, Bergankunft auf dem Tourmalet am Samstag. Die ganz langen Anstiege - und auf den Tourmalet sind es 19 Kilometer - sind dann doch etwas anderes; etwas, das Alaphilippe und sein Team Quickstep überfordern könnte. Der auf Platz zwei, 1:12 Minuten zurückliegende Vorjahressieger Geraint Thomas könnte das Klassement an diesen Tagen umdrehen. Er ist nach wie vor der erste Anwärter auf den Titel in Frankreich, zumal andere Aspiranten entweder schwächeln oder Pech hatten wie Mikel Landa, der am Montag zu einem ungünstigen Zeitpunkt einen Patschen hatte und zwei Minuten einbüßte.

Auch Thibaut Pinot, ein anderer der ewigen Hoffnungsträger Frankreichs, hatte an diesem Tag Zeit verloren. Er scheint aber zumindest gut in Form zu sein und könnte in den kommenden Tagen einen Versuch wagen. Immerhin das wird der stets angriffige Alaphilippe nicht unterlassen.