Feierte seinen sechsten Sieg: Bernd Wiesberger. - © reuters/Smith
Feierte seinen sechsten Sieg: Bernd Wiesberger. - © reuters/Smith

Portrush/Wien. (sir) Tiger Woods ist begeistert: "Es ist ein wunderbarer, ein unglaublicher Kurs". Vielleicht war das Schwelgen des Altmeisters über den Kurs in Portrush auch etwas der Höflichkeit geschuldet, aber ausnehmend hübsch liegt der Kurs ja schon an der nordirischen Küste, wo ab Donnerstag zum erst zweiten Mal das älteste Golfturnier der Welt ausgetragen wird.

Die British Open, oder eigentlich: "The Open Championship", sind heuer das letzte der vier Major-Turniere, das nach 68 Jahren Pause wieder in Nordirland ausgetragen wird, die sonst stets in Schottland oder England gespielt werden. Es ist ein klassischer Links-Kurs, was nichts mit der Spielrichtung, sondern der Beschaffenheit des Platzes zu tun hat. Gespielt wird auf einer einst unbewohnbaren Dünenlandschaft an der Küste, fürs Golfspiel erwies sich diese Gstätten aber ideal. Der Royal Portrush Golf Club wurde bereits 1888 gegründet.

Das ist der famose Ausblick, der sich den Golfern dieser Tage bietet. Freilich: Das Panorama interessiert sie wohl nur am Rande. - © John/stock.adobe.com
Das ist der famose Ausblick, der sich den Golfern dieser Tage bietet. Freilich: Das Panorama interessiert sie wohl nur am Rande. - © John/stock.adobe.com

Auf einem Links-Kurs ist nicht nur das Wetter, vor allem der oft starke, schnell drehende Wind, ein oft großer Faktor, auch die Beschaffenheit der Fairways und Grüns macht ein anderes Spiel nötig. Und das könnte der andere Grund sein, weshalb Tiger Woods nur in höchsten Tönen von dem Kurs spricht, denn Links-Golf sollte ihm und seinen nicht mehr ganz so idealen physischen Voraussetzungen entgegenkommen.

Mcllroys Platzrekord als
Teenager steht noch immer

Die Zeiten, als der mittlerweile 43-Jährige die weitesten Abschläge im Feld hatte, sind schon lange vorbei. Doch das ist in Portrush gar nicht so wesentlich. "Es gibt eine Kunst, Links-Golf zu spielen", sagt Woods. "Man kann hier so unterschiedlich spielen, und viel hängt auch vom Wind ab", erklärt der US-Amerikaner.

Dreimal hat Woods bereits "The Open" gewonnen, das letzte Mal allerdings 2006. Doch bei diesem Turnier sah er nach seinem Comeback die größten Chancen auf einen weiteren Major-Titel, eben durch die andere Art von Golf, die bei Links-Kursen verlangt wird - doch dann gewann er überraschend ein weiteres Mal das Masters in Augusta im April.

In welcher Form sich Woods derzeit befindet, ist schwierig zu ermessen, er hat seit diesem Titel nur zehn Turnierrunden gespielt, bei den US Open beendete er vor einem Monat als geteilter 21.

Zum engsten Favoritenkreis wird Woods von den Experten nicht gezählt, hier fällt vor allem ein Name: Rory McIlroy, Dritter der Weltrangliste und selbst Nordire. Sein Name ist im Klubhaus verewigt, obwohl die Tour hier schon lange nicht mehr Station gemacht hat. Doch mit 16 Jahren spielte er hier ein Amateurturnier und stellte mit 61 Schlägen den nach wie vor gültigen Platzrekord auf. "Es gibt nicht viele Runden, von denen ich noch jeden Schlag in Erinnerung habe. Von dieser schon", sagt Mcllroy.

Wiesberger kommt
als Turniersieger

Die Hoffnung auf zumindest einen Spitzenplatz darf sich auch Bernd Wiesberger machen. Der Burgenländer hat am Sonntag bei den Scottish Open seinen sechsten und bisher wertvollsten Sieg auf der European Tour geholt. Unmittelbar davor bei den Irish Open kam er auf Rang zwei. Da wie dort wurde ebenfalls auf Links-Plätzen gespielt - wie nun in Nordirland. "Ich weiß, dass ich mich mit meinem Spiel nicht verstecken muss", sagt Wiesberger, für den es die sechste Teilnahme bei den Open ist, noch nie war er allerdings in den Top-60. Zumindest die Form könnte diesmal kaum besser sein. Wiesberger muss ab 10.25 Uhr auf seine erste Runde.