Hamburg/Kitzbühel. Es wird wohl nicht Dominic Thiems erster und einziger Gedanke an diesem Tag gewesen sein. Andererseits: Wer kommt zu einem Familientreffen schon gerne zu spät? Zumindest diese Sorge muss sich der Niederösterreicher nach seinem vorzeitigen Ausscheiden beim ATP-Turnier in Hamburg nicht machen. Nach seiner 6:7, 6:7-Niederlage im Viertelfinale gegen den Russen Andrej Rublew bleibt ihm nun genug Zeit zur Anreise nach Kitzbühel zur nächsten Station im Turnierkalender des Weltranglistenvierten.

Dort erfolgt am Samstag (12 Uhr, Sportpark) die Auslosung zu den Generali Open, die Qualifikation steigt am Wochenende. Thiem greift freilich als Nummer eins erst später ins Geschehen ein, sein erstes Spiel ist für Mittwoch angesetzt.

Und es werden nicht nur viele heimische Tennisfans zu Gast sein – die Veranstalter rund um Turnierdirektor Alexander Antonitsch vermeldeten einen höchst erfreulichen Verlauf des Kartenverkaufs –, auch das engste Umfeld der österreichischen Nummer eins wird aktiv mitwirken. Sein Trainer Nicolas Massu wird nämlich an der Seite seines jüngeren Bruders Moritz Thiem im Doppel antreten.

Die Idee zu der ungewöhnlichen Paarung – der 39-jährige Massu ist genau zwanzig Jahre älter als Thiem und hat in Kitzbühel 2004 im Einzel gewonnen – sei während eines Trainings in der Südstadt entstanden, erzählt Antonitsch: "Nicolas war sofort begeistert davon, mit Moritz im Doppel zu spielen. Er liebt Kitzbühel und hat hier immer gut gespielt. Und auch für Moritz ist es eine tolle Sache, an der Seite eines Olympiasiegers aufschlagen zu können."

Zu den Favoriten zählen Thiem/Massu freilich nicht, dennoch will auch im Doppel eine rot-weiß-rote Paarung nach dem Pokal greifen. Jürgen Melzer, der nach seiner Einzelkarriere erfolgreich umgestiegen ist, ist mit Oliver Marach als Nummer eins gesetzt. "Eine absolute Weltklassepaarung", sagt Antonitsch.

Im Einzel wiederum werden außer Thiem auch Sebastian Ofner, Dennis Novak und Jurij Rodionov antreten, sie erhielten Wild Cards für den Hauptbewerb. Die Augen werden freilich auf Thiem gerichtet sein, der noch seinem ersten Titel bei einem Heimturnier hinterherjagt. Der Papierform nach ist er klarer Favorit, allerdings hat er sich bei seinen bisherigen Antreten in der Höhenlage von Kitzbühel nicht unbedingt immer leicht getan. Sein bisher bestes Abschneiden war das Finale 2014, das er gegen David Goffin in drei Sätzen verlor. Diesmal aber will Thiem sich selbst und die Fans nicht enttäuschen. Aber wer will das schon bei einem Familienfest?