Mogyorod. 343 Tage nach seinem bisher letzten Grand-Prix-Erfolg hat der vierfache Ex-Weltmeister Sebastian Vettel am Sonntag im Großen Preis von Ungarn die letzte Chance, sich vor dem unerfreulichen "Jubiläum" am 26. August zu retten. An diesem Tag vor einem Jahr gewann er den Grand Prix von Belgien und damit sein bisher letztes Formel-1-Rennen. Mit einem Sieg in Mogyorod bei Budapest würde sich der 32-Jährige auf dem Weg zum so ersehnten ersten WM-Titel mit Ferrari vor der Sommerpause und dem Start in die zweite Saisonhälfte in den belgischen Ardennen am 1. September zumindest einen gehörigen Motivationsschub geben.

Getreu seinem großen Vorbild Michael Schumacher will er nicht aufgeben, solange rechnerisch etwas noch möglich ist: Weiter an sich glauben, an die Fähigkeiten und die Stärken. "Und ich bin zuversichtlich, dass unser Tag noch kommen wird", betont Vettel. Die Frage ist nur, wann. Die Gesamtbilanz der Rennen seit seinem Triumph in Spa im vergangenen Jahr reicht nicht für ein weltmeisterliches Bewerbungsschreiben. In den 19 Rennen seitdem kam Vettel zehn Mal nicht einmal aufs Podium. Im aktuellen WM-Klassement liegt er auch nach seinem famosen zweiten Platz nach einer spektakulären Aufholjagd auf dem Hockenheimring am vergangenen Sonntag satte 84 Punkte hinter dem fünfmaligen Weltmeister Lewis Hamilton. "Ich will diesen Kick wieder spüren, der entsteht, wenn man um die WM fährt. Und ich will das mit Ferrari erleben", bekräftigte Vettel in einem Interview mit dem Magazin "Auto-Bild Motorsport".

Es ist mittlerweile Vettels fünftes Jahr bei der Scuderia. Er wurde WM-Dritter in seinem ersten Ferrari-Jahr, dann folgte die sieglose Saison 2016, Vettel belegte am Ende WM-Rang vier. 2017 und 2018 wurde er Vizeweltmeister, kämpfte ein bisschen gegen Mercedes-Star Hamilton, richtig in Schwierigkeiten brachte der Deutsche den aktuell erfolgreichsten Piloten im Feld aber nicht. Vettel wurde viel kritisiert, weil er sich nicht wenige Fehler leistete. Ferrari trennte sich von Vettels Kumpel Kimi Räikkönen und ersetzte den 39-jährigen Finnen durch den 21-jährigen Charles Leclerc. Der nach außen smarte und auf der Strecke knallharte Monegasse ist die Zukunft der Scuderia, daraus machten und machen die Verantwortlichen des italienischen Traditionsteams auch kein allzu großes Geheimnis. Vettels Vertrag endet nach der nächsten Saison.

Verstappen peilt Rekord an

Es wird also Zeit für den Deutschen. Seine Titel liegen schon eine Weile zurück, nachdem er mit Red Bull eine Ära geprägt und Weltmeister 2010, 2011, 2012 und 2013 geworden war. Im Rennstall von Didi Mateschitz schickt sich indessen ein anderer Pilot an, der nächste (Serien-)Weltmeister zu werden. Allein für heuer rechnet sich der Niederländer Max Verstappen trotz seiner zwei Siege in den vergangenen drei Rennen keine Titelchancen aus, wie er kürzlich in einem Interview bekannte. Auf die Frage, ob er mit seinem jetzigen Team sein Ziel erreichen könne, jüngster Weltmeister zu werden, antwortete Verstappen: "Ich habe dafür noch ein Jahr Zeit. Aber es müsste nächstes Jahr passieren, denn dieses Jahr ist Mercedes zu dominant." Seit seinem ersten WM-Triumph 2010 ist Vettel mit 23 Jahren und 134 Tagen der jüngste Champion in der WM-Historie. Verstappen wird am 30. September 22 Jahre alt.

Die Voraussetzungen scheinen ganz gut. Red Bull habe durch den Wechsel des Motorenpartners von Renault zu Honda "gute Schritte gemacht", sagte Verstappen. Das stimme ihn optimistisch. Er glaube, dass er es nächstes Jahr mit Red Bull schaffen könne. "Hundertprozent sicher kann man sich nie sein. Auch Mercedes kann nie ganz sicher sein, ob sie auch nächstes Jahr wieder dominieren können." Im Klassement liegt der Niederländer aktuell auf Rang drei. Durch seine Siege in Spielberg und in Hockenheim verkürzte Verstappen den Rückstand auf Mercedes-Star Lewis Hamilton an der Spitze auf 63 Punkte.