Wien. Die Massen strömten in das New Yorker "Arthur-Ashe-Stadion". Hier, wo sonst im "US Open" um einen der bedeutendsten Tennistitel gespielt wird, kämpften Jugendliche am vergangenen Wochenende um die Weltmeisterschaft im Computerspiel "Fortnite". Insgesamt 30 Millionen US-Dollar Preisgeld gab es zu gewinnen. Nicht nur im Stadion verfolgten die Fans die Spiele, Millionen schauten per Stream im Internet zu. Sie sahen, wie unter anderem der 17-jährige Kärntner David "Aqua" Wang per Mausklick zum Star wurde: Mit seinem norwegischen Kollegen gewann er den mit drei Millionen US-Dollar dotierten Duo-Wettbewerb.

Den ersten Schlagzeilen zu dem Massenevent folgte zugleich der Spott: "Kinder, die Tag und Nacht vor dem PC sitzen und sich selbst nicht mehr die Schuhe zubinden können. Jetzt können Sie selbst entscheiden, ob das Sport ist oder nicht", merkte ARD-Moderatorin Julia Scharf bei einem Beitrag über die Veranstaltung an. Damit reiht sie sich in eine Riege von Skeptikern ein, die professionelles Computerspielen für lächerlich, unsinnig oder gar gefährlich halten.

Denn trotz seiner wachsenden Breitenwirkung stößt der E-Sport vielerorts auf wenig Gegenliebe - vor allem bei älteren Menschen. Das liegt auch daran, dass Sport meist mit schweißtreibenden Bewegungen, Ausdauer und Athleten assoziiert wird. Da passt der Jugendliche, der auf einem Stuhl sitzt und in einen Bildschirm starrt, nicht ins Bild.

"Wenn man Sport nur mit körperlichen Tätigkeiten assoziiert, kann ich die Skepsis gegenüber dem E-Sport als Sport bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen", sagt Manuel Haselberger vom österreichischen E-Sport-Verband. Wenn man den Sportbegriff aber erweitere und etwa Schach als Sportart betrachte, müsse hier auch Platz für den E-Sport sein, da man sich beim elektronischen Sport ebenso Taktiken erarbeiten und den Gegner ausspielen müsse: "E-Sport ist ein Denksport."

"Das sind keine Stubenhocker"

Haselberger sieht hier auch Parallelen zwischen professionellen Sportlern und E-Sportlern: "Das sind keine 120 Kilo schweren Stubenhocker, die den ganzen Tag spielen." Stattdessen sei bei professionellen E-Sportlern Disziplin gefragt.

"Es gibt täglich mehrere Trainingseinheiten, bei denen zwischen zwei und drei Stunden gespielt wird." Daneben werde auf einen gesunden Lebensstil, also die richtige Ernährung und ausreichend Bewegung, geachtet, damit man geistig und körperlich fit bleibe: "Viele Profis haben dafür eigene Ernährungsberater."