Dominic Thiem hat sich am Samstag einen Bubentraum erfüllt: Er kürte sich zum Sieger des Traditions-ATP-Turniers in Kitzbühel. Der erste Heimtitel, fünf Jahre nach seinem ersten Kitz-Endspiel, war für ihn ein Karriere-Meilenstein. Das zeigte auch sein Jubel, als er sich nach dem 7:6(0),6:1 über Albert Ramos-Vinolas (ESP) vor 5600 begeisterten Fans auf den Rücken fallen ließ.

Er ist der erste Österreicher seit Thomas Muster, der 1993 den bis dato einzigen Titel für die Alpenrepublik in der Profi-Ära dieses Events in Tirol gefeiert hatte. 9490 Tage später war nun Dominic Thiem an der Reihe, er hat damit wie einst Muster ebenfalls mit 25 Jahren erstmals in Österreich zugeschlagen.

"Es ist absolut unglaublich, einer meiner größten Träume, seit ich zum Tennis spielen begonnen habe, ist heute in Erfüllung gegangen", meinte Thiem, der zum vierten Mal in Folge vor ausverkaufter Kulisse gewonnen hatte. "Ich glaube, es gibt gar keine schöneren Sachen in einem Sportlerleben, als so etwas zu Hause vor so einem unglaublichen Publikum erleben zu dürfen. Ich bin komplett aus dem Häuschen."

Über vier Millionen US-Dollar Preisgeld

Thiem gewann die lang ersehnte "Goldene Gams" als Siegestrophäe, einen Siegerscheck in Höhe von 90.390 Euro und 250 Zähler für die Tennis-Rangliste. Fünf Jahre nach seinem ersten Finale auf der ATP-Tour in Kitzbühel hat sich für den Lichtenwörther in seinem 22. Endspiel ein erster Kreis geschlossen. Seine zweite Chance nutzte Thiem, für den es seit Jahren weder in Kitzbühel noch in Wien gut gelaufen war.

Zudem hat der zweifache French-Open-Finalist nun allein in diesem Jahr schon knapp über vier Millionen US-Dollar Preisgeld gewonnen. Sein nächster Auftritt ist kommende Woche beim Masters-1000-Turnier in Montreal.

Ramos-Vinolas, der vor zwei Jahren schon einmal auf Platz 17 gestanden war, zeigte keine Spur von Müdigkeit. Dabei hatte er erst vergangenen Sonntag in Gstaad seinen bisher zweiten Tour-Titel (ohne Satzverlust) gewonnen. Thiem versuchte von Beginn weg mit vollem Druck das Spiel zu diktieren, doch der Linkshänder bot ihm großartig Paroli. Thiem verpasste gleich im ersten Game zwei Breakbälle und musste dann im vierten Game, das nicht weniger als 14 Minuten dauerte, selbst fünf Breakbälle abwehren.

 Der spanische Linkshänder beeindruckte mit starkem Aufschlag und sehr schneller Vorhand und war dem Weltranglisten-Vierten ebenbürtig. Nach 51 Minuten Spielzeit musste das Match bei 4:5,15:0 aus Sicht des aufschlagenden Thiems für rund eine Stunde wegen Regens unterbrochen werden.

Thiem behielt die Nerven

Der Wiederbeginn war immens wichtig für den weiteren Verlauf, doch Thiem behielt die Nerven und schaffte es ins Tiebreak. In diesem beging Ramos-Vinolas plötzlich mehr Fehler, Thiem überrollte seinen Gegner mit 7:0 und hatte nach 68 Minuten den ersten Satz in der Tasche.

Aufgepumpt vom Satzgewinn, nutzte Thiem den Schwung, schaffte sofort im zweiten Game das erste Break des Finales und ging nur zwölf Minuten nach dem Tiebreak mit 3:0 in Front. Nach einem weiteren Break zum 5:1 bestand kein Zweifel am Sieg mehr.