Hachioji. (art) Schon mit dem Einzug ins Boulder-Finale hatte er seine Erwartungen übertroffen. Mit Silber bei der WM in Hachioji im Großraum Tokio hat er nun am Dienstag seine erste Medaille in dieser Kletterdisziplin errungen. Doch auch das soll erst der Anfang gewesen sein. Denn Jakob Schubert strebt nach Höherem; als Kletterer ist das quasi seine Passion und Profession gleichermaßen. In knapp einem Jahr werden im Klettern bei den Sommerspielen in Tokio erstmals Olympia-Medaillen vergeben. Und Schubert will im Kampf um diese mittendrin statt nur dabei sein.

Um auf den - als Kompromiss mit den Olympia-Veranstaltern ins Leben gerufenen - Kombinationsbewerb aus Speed, Bouldern und Vorstieg bestmöglich vorbereitet zu sein, hat Schubert wie die anderen Topkletterer Österreichs sein Training etwas umgestellt. Dass es dennoch gleich im ersten WM-Bewerb mit einer Medaille geklappt hat, war für den 28-jährigen Innsbrucker selbst nicht ganz zu erwarten gewesen. Schließlich ist es sein erstes Edelmetall im Bouldern, in dieser Disziplin das erste für Österreichs männliche Kletterer nach zweimal Silber durch Kilian Fischhuber in den Jahren 2005 und 2012 überhaupt.

Zum erweiterten Kreis der Medaillenanwärter musste man Schubert dennoch zählen, gehört er doch schon seit Jahren zur Kletterelite. Im Vorstieg hat er 2012 und 2018 Gold gewonnen, dazu kam im vergangenen Jahr bei den Heimtitelkämpfen der Sieg in der Kombination. In Japan steht die Qualifikation für die Olympischen Spiele im Vordergrund, mit seinem silbernen Souvenir hat sich Schubert aber jetzt schon viel Druck für die kommenden Aufgaben genommen. Dabei hatte der Österreicher einigermaßen zittern müssen, ehe überhaupt der Finaleinzug feststand. Als Semifinalsechster musste er dann bei jedem der vier Final-Boulder als Erster in die Wand und vorlegen. Dabei hielt er sich von Anfang an in den Top Drei, auch wenn er es kein einziges Mal zum Top schaffte. Doch das gelang auch vier seiner Konkurrenten nicht, nur Lokalmatador Tomo Narasaki, der souverän den Titel holte, bewältigte den Parcours gleich zweimal zur Gänze.

Doch auch Schubert wird nun am Mittwoch mit viel Selbstvertrauen in den Vorstieg gehen. Ab dem Wochenende geht es um die Speed-Medaillen, ab Montag in der Kombination auch um Olympia-Quotenplätze. Die Basis ist jedenfalls gelegt. Ein bisschen höher hinaus geht freilich (fast) immer.