Cincinnati. Die US Open stehen vor der Türe und mit ihnen die Frage: Wer kann den großen Dreien, Novak Djokovic, Rafael Nadal und Roger Federer gefährlich werden? Seit dem Triumph von Andy Roddick vor nunmehr 16 Jahren durften abgesehen von ihnen nur vier Spieler – Juan Martin Del Potro 2009, Andy Murray 2012, Marin Cilic 2014 und Stan Wawrinka 2016 – am Ende zweier langer Wochen den Pokal bei den Herren stemmen.

Zum Vergleich: Alleine Federer hat mit seiner Siegesserie von 2004 bis 2008 mehr Erfolge in Flushing Meadows gefeiert als dieses Quartett zusammen; Nadal und Djokovic, der heuer wieder Titelverteidiger ist, kamen in dieser Zeit auf je drei Triumphe.

Doch nun schickt sich ein Mann an, dem Trio gefährlich zu werden, der bei Federers erstem Triumph in New York gerade einmal als kleiner Knirps mit dem Tennisspielen begonnen hat. Daniil Medwedew, mittlerweile 23-jähriger Russe, hat sich spätestens mit seinem Sieg beim Masters-1000-Turnier in Cincinnati in den Kreis der Titelanwärter katapultiert, in der Weltrangliste ist er nach seinem 7:6, 6:3-Finalsieg über den Belgier David Goffin von Platz acht auf Position fünf vorgestoßen. Damit liegt Medwedew nur noch 730 Punkte hinter Österreichs Dominic Thiem.

Daniil Medwedew jubelt über eine gelungene US-Open-Generalprobe. - © APAWeb / afp, Getty Images, Matthew Stockman
Daniil Medwedew jubelt über eine gelungene US-Open-Generalprobe. - © APAWeb / afp, Getty Images, Matthew Stockman

"Bin eigentlich ein ruhiger Typ"

Doch anders als Thiem, der das Turnier in Cincinnati wegen eines viralen Infekts auslassen musste, seit Montag aber wieder trainiert ("Es schaut gut aus, dass ich in der ersten Runde fit bin"), kommt Medwedew nicht nur in Topform, sondern auch mit dem Selbstbewusstsein seines bisher größten Karriereerfolges nach Flushing Meadows. Schon nach seinem Dreisatzsieg über Djokovic im Semifinale hatte der Serbe ihm attestiert, "zweifellos einer der besten Spieler auf der Tour" zu sein – und das, obwohl oder gerade weil der schlaksig wirkende Russe einen unorthodoxen Stil pflegt.

Bei der Auslosung am Donnerstag (18 Uhr MESZ) werden die Augen daher nicht nur auf die Topgesetzten, sondern auch verstärkt auf jenen Mann gerichtet sein, der sich einst als gelangweilt über Federers Siegesserie bezeichnet hatte und sich auch auf dem Platz quasi als Antithese zum als Gentleman bekannten Schweizer geriert. Mehrmals geriet er schon mit den Offiziellen in Konflikt, weil er seine Emotionen während des Spiels nur schwer unterdrücken kann. Dabei sei er abseits des Platzes "ein ruhiger Kerl", wie er selbst in einem Interview sagte. "Aber auf dem Platz werde ich leicht wütend." Beschränkt Medwedew seine Explosivität aber auf den Court, ist mit ihm nach zuletzt drei Finalteilnahmen beziehungsweise dem Cincinnati-Triumph jederzeit zu rechnen.

Das allerdings haben sich in den vergangenen Jahren schon viele Spieler gedacht – ehe sie doch in einem der großen Dreien Djokovic, Nadal und Federer ihren Meister gefunden haben.