- © APA/BFKDO UU/BAYER
© APA/BFKDO UU/BAYER

Linz/Ottensheim. Vorfreude sieht gewöhnlich anders aus. Mit betroffenen Gesichtern ist Österreichs Ruderelite am Donnerstag in Ottensheim bei Linz vor die Kameras getreten. Eigentlich, um die Medaillen- und Olympiaqualifikationschancen bei der kommenden Heim-WM, die hier am Wochenende mit den ersten Vorläufen startet, zu kommentieren. Stattdessen war der Auftritt von Ruder-Star Magdalena Lobnig sowie einigen Vertretern von Ruderverband und Landespolitik vom tragischen Unfall eines Para-Ruderers am Vortag überschattet.

Wie die Polizei am Donnerstag mitteilte, war der Sportler aus Weißrussland tags zuvor in den Mittagstunden nach rund 20-minütiger Trainingsfahrt am Wasser umgekippt und konnte von Rettungstauchern nur noch tot geborgen werden. Als Ursache wird eine gebrochene Stabilisationsvorrichtung des Ruderbootes angenommen. Dadurch dürfte das Boot gekippt sein. Der 33-jährige querschnittsgelähmte Sportler galt laut Polizei als guter Schwimmer. Warum er nach dem Kentern dennoch untergegangen ist, dafür gab es am Donnerstag noch keine Erklärung. Um die genaue Todesursache zu klären, hat die Staatsanwaltschaft Linz eine Obduktion der Leiche angeordnet.

- © M. Hirsch
© M. Hirsch

"Es war ein stiller Nachmittag für uns, kein leichter", sagte WM-Organisator Horst Anselm in seinem Statement. "Gerne hätten wir einen schöneren Start in die Woche gehabt." Einen solchen hätte sich indessen auch Lobnig gewünscht. "Die ganze Ruder-Familie ist tief betroffen. Wenn es bei unserer Heim-WM passiert, umso schlimmer", ergänzte sie. Von den Zielen für die kommende WM will sich die 29-Jährige aber nicht ablenken lassen. Am liebsten würde sie gleich zwei Fliegen mit einem Ruder erschlagen: den Gewinn einer Medaille und der damit verbundene Anspruch auf einen Quotenplatz für Olympia 2020 in Tokio. Dazu müsste Lobnig, die im olympischen Einer antritt, zumindest das Finale Ende kommender Woche erreichen, fürs Olympia-Limit würde hier ein neunter Rang reichen - das "Minimalziel", wie sie betonte: "Die Medaille ist aber im Hinterkopf, das bleibt das Ziel. Es ist wichtig, dass man weiß, wofür man am Start steht."

Nervlich angespannt fühlt sich die Europameisterin und zweifache WM-Bronze- und EM-Silber-Medaillengewinnerin aufgrund der Heim-Titelkämpfe nicht, im Gegenteil. "Im Prinzip kann ich mit Druck umgehen. Ich habe auch eine Erwartungshaltung an mich selbst, das hilft mir, am Knackpunkt zu performen", sagte Lobnig. "Aber zuerst muss ich langsam wieder reinfinden und mich von Rennen zu Rennen steigern." Die Zurückhaltung hat einen Grund: Lobnig litt kürzlich noch an einer Nebenhöhlenerkrankung und konnte das Antibiotikum erst vor wenigen Tagen absetzen. Sorgen darüber, die Vorläufe nicht zu bestehen, hat die Athletin trotz erst überstandener Krankheit nicht. "Das wird nicht so unangenehm werden", erklärte sie und erwartet sich davon wertvolle Rückschlüsse: "Wir werden dann sehen, wie die Maschine so läuft. Schon das Viertelfinale wird ein Knüller." Nervös machen lassen werde sie sich nicht, sollten andere klar schnellere Zeiten fahren.

Bis zu 20 Millionen Euro an Wertschöpfung erwartet

Sollte Lobnig bis ins Finale vorstoßen, würde das an der Donau für beste Atmosphäre sorgen. Landeshauptmann Thomas Stelzer jedenfalls bezeichnete die Weltmeisterschaften als die "sympathischste Form", sich als Land international präsentieren zu können. Und dabei wurden keine Kosten und Mühen gescheut: Insgesamt wurden in das Gelände rund neun Millionen Euro investiert, um die Sinnhaftigkeit der Investitionen macht sich Stelzer keine Sorgen und verweist auf eine erwartete touristische Wertschöpfung im Ausmaß von 15 bis 20 Millionen Euro. Hinzu kommen noch weltweit rund 200 Millionen Zuschauer vor den TV-Schirmen. "Es wird sicher Bewerbungen um andere internationale Bewerbe geben", meinte der Landeshauptmann zuversichtlich.

Reichlich Dank für die gesetzten Maßnahmen erntete der Politiker von Ruderverbandspräsident Horst Nussbaumer. "Es ist eine sehr große Chance für uns, sich vor Heimpublikum zu präsentieren. Wir sind sehr froh, dass wir diese Bühne erhalten haben", sagte der Präsident und lächelte wieder. Aus Vorfreude.