New York. Wäre es eine Inszenierung gewesen, die US-Amerikaner, die ja bekanntlich in solchen Belangen nicht ungeschickt sein sollen, hätten es nicht besser hinkriegen können. Doch das historische Ausmaß eines Ereignisses wird einem halt oft erst im Nachhinein bewusst, das ist in New York nicht anders als in Wien oder, sagen wir, auf Ibiza. Es war der 8. September 2002, die große US-Nation stand unter dem Eindruck der Vorbereitungen auf das Jahresgedenken an den Terroranschlag auf das World Trade Center - und Flushing Meadows an diesem Abend kopf: Pete Sampras und Andre Agassi, jene zwei Männer, deren Rivalität den Sport über ein Jahrzehnt lang geprägt hatte, waren ins Finale ihres Heim-Grand-Slam-Turniers eingezogen; zwei Jahre nach seinem bis dahin letzten Turniersieg holte sich Sampras seinen 14. und gleichzeitig letzten Grand-Slam-Triumph.

Dass er an jenem Abend gleichzeitig von der Bühne des Welttennis abtrat, stellte sich aber erst rückblickend heraus. Es war jedenfalls nicht nur das Ende einer großen Karriere, sondern läutete gleichzeitig auch jenes der Vormachtstellung der USA im Welttennis der Herren ein. Agassi sollte ein halbes Jahr später noch einmal bei den Australian Open gewinnen, Andy Roddick in Flushing Meadows 2003. Seit damals aber gab es keinen einzigen Grand-Slam-Titel im Herren-Einzel mehr für die USA.

Fotostrecke 16 Bilder

Roddick war damals ein junger, aufstrebender Spieler, dem zugetraut wurde, in die Fußstapfen der beiden Ikonen Sampras und Agassi zu treten. Kurzfristig war er mit 21 Jahren auch Nummer eins der Welt. Doch dann kam Roger Federer. Und dann wiederum kamen Rafael Nadal und Novak Djokovic. Und für die USA, da kam zwar nicht nichts nach, aber im Herrenbereich viel zu wenig für die eigenen Ansprüche. Bei den Damen freilich sorgte Serena Williams für Furore. Es ist hauptsächlich ihr und ihrer Schwester Venus zu verdanken, dass eine ganze Generation an hoffnungsvollen Spielerinnen heranwuchs, dass auch Mädchen aus der afroamerikanischen Community zum Schläger griffen und das Damen-Tennis in den USA und weltweit generell einen neuen Stellenwert bekam.

Andy Roddick war 2003 der bisher letzte US-Sieger im Herren-Einzel. - © afp
Andy Roddick war 2003 der bisher letzte US-Sieger im Herren-Einzel. - © afp

15-jähriges Aushängeschild

Heute ist vor allem Serena Williams, mittlerweile 37 Jahre alt und Mutter einer Tochter, noch immer für Grand-Slam-Siege gut, in New York jagt sie ihrem 24. Triumph bei einem der großen vier Veranstaltungen nach. Damit würde sie den Allzeitrekord der Australierin Margaret Court egalisieren. Und auch ihre um ein Jahr ältere Schwester darf man noch nicht abschreiben, auch wenn sie mittlerweile etwas zurückgefallen ist und zuletzt in Wimbledon das Nachdrängen einer neuen Generation am eigenen Leib schmerzhaft zu spüren bekam. Eine gewisse Cori, genannt Coco, Gauff eliminierte sie aus dem Londoner Turnier und schrieb mit ihrem Achtelfinaleinzug international Schlagzeilen. Auch die Williams-Schwestern, die quasi die Mentorinnen-Rolle für die 15-Jährige übernommen haben, outeten sich als Fans ihrer potenziellen Kronprinzessin. "Ich liebe sie und könnte nicht stolzer sein", sagte Serena. Gauff sei "anders als andere 15-Jährige. Sie ist ready."

An das Autogramme-Schreiben wird sich Cori "Coco" Gauff gewöhnen müssen. Bei den Damen funktioniert der Generationen-Übergang. - © afp/Daniel Leal-Olivas
An das Autogramme-Schreiben wird sich Cori "Coco" Gauff gewöhnen müssen. Bei den Damen funktioniert der Generationen-Übergang. - © afp/Daniel Leal-Olivas