Jonas Bachan hat sein Handwerk in Südfrankreich gelernt: Nun will er es bei WM und Olympia anwenden. - © apa/Leon Bachan
Jonas Bachan hat sein Handwerk in Südfrankreich gelernt: Nun will er es bei WM und Olympia anwenden. - © apa/Leon Bachan

Miyazaki. Wellenreiten, im Volksmund auch Surfen genannt, ist eine der neuen Sportarten bei den kommenden Olympischen Sommerspielen in Tokio 2020. Allerdings werden sich heimische voreilige Fans mit der Aussicht, hier vielleicht 2020 einem rot-weiß-roten Vertreter zujubeln zu dürfen, noch gedulden müssen. Es stimmt schon: Österreich ist an sich ein Land der Segler und Surfer - aber der Windsurfer. Ältere Anhänger werden sich wohl noch daran erinnern, als Christoph Sieber 2000 in Sydney sensationell Gold holte. Mit Surfen, also Wellenreiten, hat dies nichts zu tun. Hier ist Österreich ein unbeschriebenes Blatt.

Was aber nicht bedeutet, dass der heimische zuständige Wasserski- und Wakeboardverband, dem der Surfsport mit Blick auf Olympia zugeordnet ist, nicht vorbereitet wäre. Das mögliche Ass im Ärmel hört auf den Namen Jonas Bachan, ist 21 Jahre alt und hat sich für die Qualifikationsbewerbe, die im Rahmen der kommenden WM in Japan ausgerichtet werden, einiges vorgenommen. Zumindest an Vorbildern mangelt es ja nicht - Surf-Ikone Kelly Slater zum Beispiel, auf den Bachan bei der WM treffen wird. Slater ist ein Surf-Pionier und zählte gemeinsam mit Skateboarder Tony Hawk und den Snowboarder Shaun White zu den erfolgreichsten Boardsportlern der Welt. Dabei rutschte der bereits 47-jährige Elffach-Weltmeister und Sport-Millionär selbst erst durch die Verletzung eines Landsmannes in das WM-Aufgebot der USA. "Slater ist die volle Legende. Ich bin aufgeregt, ihn zu treffen", erklärte Bachan. "Gegen ihn in einem Heat zu fahren, würde mich freuen. Alleine, mit ihm am Wasser zu sein, wäre großartig." Und: "Ich hätte nichts zu verlieren."

Dass Bachan dem Surf-Superstar noch nicht in einem Contest begegnet ist, liegt daran, dass Slater auf der Champions Tour der World Surf League die Wellen abreitet, während Bachan zuletzt in der Nachwuchs- beziehungsweise Qualifikationsserie unterwegs war. Sich über die Weltrangliste für Olympia zu qualifizieren, ist für den Österreicher also derzeit unmöglich. Auch die Finanzen belasten das rot-weiß-rote Olympia-Projekt. Denn auch den WM-Trip nach Japan bezahlt dank Sponsoren das Team von Bachan, der von Vater Philipp und einem medizinischen Betreuer begleitet wird, selbst. Ob der 21-Jährige auch bei der 2020er-WM noch eine eventuelle Olympiachance nützen kann, hängt nicht zuletzt am Geld. Vom Verband Austrian Surfing kommt vergleichsweise wenig.

Es begann in Frankreich, WM-Teilnahme eine Sensation

Die von der International Surf Association (ISA) seit Sonntag ausgetragene und noch bis 15. September laufende WM 2019 in Miyazaki ist vorerst Bachans beste Tokio-Chance, weil hier die Besten aus Afrika, Asien, Ozeanien und Europa ihr Olympiaticket heraussurfen. Die Konkurrenz ist freilich riesig. Die Anziehungskraft von Olympia hat mit 240 Athleten aus 55 Nationen ein Rekord-Meldeergebnis gebracht. Wie seinerzeit die Snowboarder vor ihrer Premiere bei der FIS haben nun die WSL-Stars bei der ISA-WM Startpflicht, wollen sie zu Olympia. Nur je 20 Damen beziehungsweise Herren sind in Tokio startberechtigt.