Wien. (apa/art) 14 von 30 Goldmedaillen, das muss der russischen Nationalmannschaft erst einmal jemand nachmachen. Die Russen, die allerdings als Nachfolgeverband der Sowjetunion auch deren Erfolge offiziell für sich verbuchen, sind auch bei der am Donnerstag beginnenden EM als Titelverteidiger und Rekord-Europameister Favorit Nummer eins.

Während die Sbornaja schon am Eröffnungstag in Ljubljana gegen die Türkei startet (14.30 Uhr) und in Gruppe C eine relativ angenehme Gegnerschaft hat, tummeln sich die übrigen Semifinalisten 2017 in Belgien in der Österreich-Gruppe B: Da ist etwa Serbien mit einem der beiden Titelgewinne 2011 in Wien - der Olympiasieger 2000 stand bei den vergangenen vier EM-Auflagen dreimal auf dem Stockerl. Für Deutschland war Silber 2017 hingegen die Medaillenpremiere, die in Polen viertplatzierten Belgier sind noch medaillenlos.

Durch den Veranstalter-Status sind neben den Belgiern auch Frankreich, Slowenien und die Niederlande nicht zu unterschätzen. Während die Niederländer 1997 mit Heimvorteil schon einmal den Titel geholt haben, schafften es die Franzosen 2015 auf fremdem Terrain. Als damaliger Finalist holten die Slowenen ihre bis dato einzige Medaille. Auf EM-Ebene bisher eher unter Wert geschlagen haben sich die Polen. 2009 holten sie ihr einziges Gold, in ihrer danach mit zwei WM-Titeln (2014, 2018) angebrochenen ganz großen Zeit blieb der volleyballverrückten Nation als Maximum aber nur 2011 in Wien Rang drei. Bitter war vor allem vor zwei Jahren bei der Heim-EM, dass es nicht einmal zum Einzug ins Viertelfinale reichte. Erster Verfolger Russlands in der ewigen Medaillenbilanz und immer für eine Medaille gut ist Italien. Von den 13 Europameisterschaften seit 1993 gingen gleich fünf Titel an die Italiener, sie sind in diesem Zeitraum damit die klar Erfolgreichsten. Der jüngste von sechs italienischen Titelgewinnen liegt allerdings bereits 14 Jahre zurück - und zwar in Rom, der bisher letzte EM-Heimtriumph. Seither gab es immerhin zweimal Silber und einmal Bronze.

Kühl nicht im Kader

Für Österreich indessen war schon die erstmalige sportliche Qualifikation eine Sensation, die Europarangliste weist die Mannschaft von Teamchef Michael Warm als letztes der 24 Teams aus und ist schon im Auftaktspiel am Freitag gegen Belgien (20.30 Uhr/ORF Sport+) klarer Außenseiter. Nicht dabei sein wird der 19-jährige Lukas Kühl, der es wie der verletzte Leistungsträger Paul Buchegger nicht in den finalen Kader von Warm geschafft hat.

Aus seinem Team lässt sich die Entwicklung seit der Heim-EM 2011 herauslesen. War der erst heuer aus dem Nationalteam zurückgetretene und nun als EM-Co-Kommentator tätige Philip Schneider Österreichs einziger Legionär im Aufgebot gewesen, stehen nun zumindest neun im Ausland engagierte Akteure in den ÖVV-Reihen. Aus der heimischen Liga stellt lediglich Meister Aich/Dob ein Trio, nämlich Nicolai Grabmüller, Maximilian Landfahrer und Thomas Tröthann. Derzeit ohne Klub sind die Aufspieler Max Thaller und Alexander Tusch. Doch bei passenden EM-Leistungen sollte der Weg zu weiteren Auslandsengagements geebnet sein. Schließlich muss nicht alles, was letztlich glänzt, aus Gold sein - zumindest nicht, wenn man nicht Russland ist.