Wien. Der österreichische Ex-Judoka Peter Seisenbacher ist am Donnerstag von der Ukraine aufgeliefert worden. Er wurde noch am Nachmittag in die Justizanstalt Josefstadt eingeliefert. Der unter Missbrauchsverdacht stehende Olympiasieger flüchtete 2016, bevor er sich in Wien vor Gericht verantworten konnte. Binnen 48 Stunden wird nun über die Verhängung der U-Haft entschieden.

Seisenbacher soll am 7. September versucht haben, mit einem gefälschten österreichischem Pass - seiner war eingezogen worden - von der Ukraine über die Grenze nach Polen zu reisen. Dabei wurde der Ex-Judoka erwischt und in Haft genommen. Nach seiner erneuten Festnahme am Samstag entschied die ukrainische Grenzpolizei, Seisenbacher nach Österreich abzuschieben. Dies ist seit dem Frühjahr möglich, nachdem die Ukraine ein Zusatzprotokoll des europäischen Auslieferungsübereinkommens ratifiziert hatte. Seisenbacher wollte nach seiner Inhaftierung nunmehr aber auch freiwillig nach Österreich zurückkehren und bat dafür das österreichische Konsulat um Hilfe. Zwei Zielfahnder des Bundeskriminalamtes reisten nach Lwiw und übernahmen den Ex-Judoka am Donnerstag um 15.00 Uhr Ortszeit (14.00 Uhr MESZ).

Verhandlungen ferngeblieben

Der zweifache Olympiasieger war dem Judo nach seiner aktiven Karriere als Trainer treu geblieben. In seinem Wiener Judo-Verein soll er - so die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft Wien - zwischen 1997 und 2004 zwei im Tatzeitraum jeweils unmündige Mädchen missbraucht haben. Eine weitere Jugendliche wehrte ihn laut Anklage ab, als er zudringlich wurde - die Staatsanwaltschaft hat dieses Faktum als versuchten Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses angeklagt. Seisenbacher hat sich zu den Anschuldigungen bisher nicht öffentlich geäußert. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.

Am 19. Dezember 2016 war Seisenbacher unentschuldigt seiner Verhandlung im Wiener Landesgericht fern geblieben. In weiterer Folge wurde er mit internationalem Haftbefehl gesucht. Er tauchte in der Ukraine unter, am 1. August 2017 wurde er in Kiew festgenommen. Österreichs Justiz bemühte sich 2017 vergeblich um eine Auslieferung von Seisenbacher, weil die inkriminierten Delikte nach ukrainischem Recht bereits verjährt waren. Seisenbacher wiederum stellte einen Asylantrag, der aber von der Ukraine im November 2017 abgelehnt wurde. Abgesehen vom negativen Asylbescheid gab es seit Herbst 2017 bereits eine aufrechte Verpflichtung zur Ausreise gegen Seisenbacher. (apa)