London. Fünf Jahre nach dem Tour-de-France-Auftakt säumen dieser Tage bei der Rad-WM wieder hunderttausende Fans die Straßenränder in Yorkshire. Nach den Einfahr-Bewerben mit Mixed- und Junioren-Rennen steigt langsam die Spannung bis zum finalen Höhepunkt in Form des Herren-Straßenrennens am Sonntag.

Dieser Titelkampf auf hügeligem Klassiker-Terrain könnte wie schon der deutlich bergigere im Vorjahr in Innsbruck zu niederländischen Festspielen werden. Denn Oranje ist nicht nur bei den Damen mit den Titelverteidigerinnen Annemiek van Vleuten (Zeitfahren) und Anna van der Breggen (Straßenrennen) neuerlich zu favorisieren. Besonders viele Augen werden im Herrenrennen auf Überflieger Mathieu van der Poel gerichtet sein. Das Multitalent, heuer Querfeldein-Weltmeister und mehrfacher Mountainbike-Weltcupsieger, ist im 285Kilometer langen Königsbewerb ein heißer Goldtipp.

Der 24-Jährige hat heuer als Neuling auf der Straße mehrfach stark aufgezeigt, zuletzt degradierte er bei der Großbritannien-Rundfahrt die Konkurrenz zu Statisten. Sein unwiderstehlicher Schlussantritt sollte auch den renommierten Kapazundern um Titelverteidiger Alejandro Valverde zu denken geben. Der spanische Ex-Dopingsünder kommt wie Ex-Champion Philippe Gilbert (Bel) in Hochstimmung von der Vuelta zur WM. Andere wie Julian Alaphilippe (Fr) und der heuer nicht gänzlich überzeugende Triple-Weltmeister Peter Sagan (Svk) gehen deutlich frischer auf die Jagd nach WM-Edelmetall.

Die sechs Österreicher um die Doppelspitze Marco Haller und Lukas Pöstlberger sind Außenseiter mit der Hoffnung auf einen Spitzenplatz. "Der Kurs ist sehr hügelig, es sind keine wirklich langen Anstiege drinnen, aber ich denke, dass wir sicher gut ins Geschehen eingreifen können", meinte Christoph Peprnicek, Sportausschuss-Vorsitzender im österreichischen Radsport-Verband. Aufgrund der heuer mehrfach guten Auftritte bei zahlreichen World-Tour-Rennen dürfe man durchaus optimistisch sein. "Wir haben mehrere Kandidaten, die vorne mitfahren können, ob es für ganz vorne reicht, werden wir sehen."

Im Zeitfahren (54 Kilometer) hofft Ex-Stundenweltrekordler Matthias Brändle am Mittwoch (14.10 Uhr/ORF-Sport+) auf einen Spitzenplatz. "Ein Top-Ten-Ergebnis wäre ein Traum, aber es wird natürlich schwierig", betonte Peprnicek. Titelverteidiger im Kampf gegen die Uhr ist der zuletzt mit Problemen kämpfende Australier Rohan Dennis. In Topverfassung tritt hingegen Vuelta-Triumphator Primoz Roglic an, der Slowene hat 2017 hinter dem diesmal fehlenden Tom Dumoulin WM-Silber geholt. Aber auch Belgiens Jungstar und Europameister Remco Evenepoel könnte nach seiner hervorragenden ersten Profisaison ein weiteres Mal das Elite-Feld düpieren. Bei den Frauen darf ÖRV-Starterin Anna Kiesenhofer nach EM-Rang fünf mit einem Top-Ten-Platz spekulieren.

Wildauer Neunter im U23-Zeitfahren

Im Nachwuchsbereich gab es am Dienstag bei der WM schon ein rot-weiß-rotes Lebenszeichen: Markus Wildauer hat in Harrogate ein Top-Ten-Ergebnis eingefahren. Der Österreicher landete im U23-Zeitfahren von Ripon über 30,3 Kilometer nach Harrogate auf Rang neun. Auf Weltmeister Mikkel Bjerg fehlten ihm 1:39 Minuten. Der Däne triumphierte zum dritten Mal en suite. Silber (Ian Garrison) und Bronze (Brandon McNulty) gingen an die USA.

Der zweite ÖRV-Fahrer im Feld, Patrick Gamper, platzierte sich bei heftigem Regen und damit schwierigen Verhältnissen mit 2:09 Minuten Rückstand an der 20. Stelle.

Programm Rad-WM:

Einzelzeitfahren Herren 54,0 km Mittwoch, 14.10 Uhr
Straßenrennen Junioren 148,1 km
Donnerstag, 13.10 Uhr
Straßenrennen Juniorinnen 86,0 km
Freitag, 9.40 Uhr
Straßenrennen U23-Herren 186,9 km
Freitag, 15.10 Uhr
Straßenrennen Damen 149,4 km
Samstag, 12.40 Uhr
Straßenrennen Herren 285 km
Sonntag, 9.40 Uhr