Leeds. Das Profil des Herren-Straßenrennens der Rad-WM in Yorkshire ähnelt dem eines Klassikers - auf 285 Kilometern sind am Sonntag 3600 Höhenmeter und 24 Anstiege zu bewältigen. Die Spezialisten aus Belgien, den Niederlanden, Frankreich, Spanien und Italien haben die stärksten Teams hinter sich, der Aufsteiger der Saison, Mathieu van der Poel, die meisten Augen auf sich gerichtet. Das von Lukas Pöstlberger und Marco Haller angeführte ÖRV-Sextett zählt zu den Außenseitern. Die drei längsten Anstiege (drei bis sechs Kilometer) finden sich auf der ersten Hälfte der Strecke von Leeds nach Harrogate, die Entscheidung wird aber erst auf den letzten sieben Runden zu je 14 Kilometern um den Zielort fallen. Da müssen die Profis jeweils drei Anstiege bewältigen, der letzte wartet fünf Kilometer vor dem Ziel.

Giro-2017-Etappensieger Lukas Pöstlberger, Bora-Teamkollege des Mitfavoriten Peter Sagan, muss auf einen ähnlichen Coup wie bei seinem bisher größten Erfolg hoffen, als er mit einem Antritt auf dem letzten Kilometer die Sprinter düpierte. Die WM sei zu dem späten Termin und mit ihrer enormen Länge aber eine spezielle Herausforderung, sagt der Jungvater. Es gelte, bis zur entscheidenden Phase möglichst wenig Energie zu verbrauchen. "Ich will versuchen, im Finale aktiv zu sein", erklärt Pöstlberger, der schon 2017 in Bergen eine späte, aber erfolglose Attacke gesetzt hatte und zeitgleich mit Sieger Sagan 22. war.

Als Co-Kapitän wird Marco Haller ins Rennen gehen. Der robuste Kärntner mit Sprint-Qualitäten ist mit 88 Renntagen und 14.658 Kilometern einer jener Teilnehmer, die heuer die größten Distanzen abgespult haben, und darf am Sonntag auf eigene Rechnung fahren. Das Katjuscha-Team, für das Haller seit seinem Word-Tour-Debüt 2012 im Einsatz ist, wird aufgelöst beziehungsweise fusioniert. Dank seiner Qualitäten als Helfer hat der 28-Jährige aber einen Vertrag für 2020 wohl sicher. Michael Gogl, Hermann Pernsteiner, Patrick Konrad und Felix Großschartner komplettieren das ÖRV-Aufgebot.

Bisher hat es für Österreichs Equipe bei der WM nicht die gewünschten Ergebnisse gegeben, vor allem Ex-Stundenweltrekordler Matthias Brändle war im Zeitfahren beim Sieg von Rohan Dennis als 40. unter den Erwartungen geblieben. Christoph Peprnicek, Sportausschuss-Vorsitzender im heimischen Verband, ist dennoch zuversichtlich: "Der Kurs ist sehr hügelig, es sind keine wirklich langen Anstiege drinnen, aber ich denke, dass wir sicher gut ins Geschehen eingreifen können", meint er.(apa)