Doha. Bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften will sich Katar der Welt wieder so präsentieren, wie es sich gerne sieht: als Ausrichter hochkarätiger Sportveranstaltungen. Die Aufmerksamkeit ist auch deshalb besonders groß, weil ein noch größeres Sportereignis immer näher rückt. In etwas mehr als drei Jahren, im November 2022, wird in Katar der Anstoß zur Fußball-WM erfolgen.

Ob Handball-WM 2015, Straßenrad-WM 2016 oder auch Turn-WM 2018 – in den vergangenen Jahren hat das Emirat jedenfalls viel Erfahrung gesammelt. Auch auf den Sportfeldern anderer Länder ist Katar längst ein wichtiger, weil finanzstarker Akteur, nicht zuletzt als Eigner des französischen Topklubs Paris St. Germain, der einst für die Summe von 222 Millionen Euro den Brasilianer Neymar verpflichtete. Sport hat dabei vor allem die Aufgabe, den nicht immer besten Ruf des Emirats aufzupolieren, das dank seiner weltweit größten Reserven an Flüssiggas zu den reichsten Ländern gehört. Dennoch sieht sich Katar immer wieder dem Vorwurf ausgesetzt, es beute trotz seines Reichtums rund zwei Millionen Arbeitsmigranten im Land aus. So klagte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International erst in der Vorwoche wieder, das Emirat bleibe trotz seiner Reformversprechen eine "Spielwiese" für "skrupellose" Firmen, die Arbeiter nicht bezahlen. Immerhin hat die Internationale Arbeitsorganisation der UN Katar Fortschritte bei der Lage ausländischer Arbeiter bestätigt.

Sport ist aber auch ein Schutzschild für das Emirat in einer Region, die ihm nicht freundlich gesinnt ist. Im Sommer 2017 verhängten Saudi-Arabien sowie die Vereinigten Arabischen Emirate über Nacht eine Wirtschaftsblockade über den kleinen Staat in der Wüste. Sie werfen dem Land Terrorunterstützung und zu enge Beziehungen zum Iran vor, was das Herrscherhaus in Doha zurückweist. Sogar ein Krieg schien zeitweise denkbar. Doch gegen den künftigen Gastgeber der Fußball-WM vorzugehen, würde Saudi-Arabien negative Schlagzeilen bescheren. Stattdessen soll Riad hinter den Kulissen daran gearbeitet haben, Katar die WM zu entziehen – jedoch erfolglos.

Die Leichtathletik-WM ist auch deshalb für Katar ein Prestigeobjekt, weil es an seiner Aspire Academy in Doha eigene Sportler fördert. Der katarische Hochsprung-Weltmeister Mutaz Essa Barshim gehört zu den Besten seiner Zunft. Als Testlauf für die Fußball-WM aber dürften die Wettbewerbe im 40.000 Zuschauer fassenden Khalifa International Stadion in Doha trotz allem nicht dienen. Wie voll es sein wird, bleibt ohnehin offen.

Klub-WM als Generalprobe

Bei der Fußball-WM 2022 muss Katar hingegen mit einem bisher nicht gekannten Massenansturm von Fans aus aller Welt rechnen. Der erste richtige Testlauf für dieses Turnier dürfte erst in knapp drei Monaten erfolgen, wenn die besten Vereine zur Fußball-Klub-WM in dem Emirat auflaufen – und wie der FC Liverpool Anhänger mitbringen, die auch in einem streng islamischen Land ein Bier trinken möchten. (apa/dpa)