Geschichte wird ständig neu geschrieben, in manchen Bereichen öfter, in anderen seltener. Die heimische Leichtathletik etwa gehört nicht zu jenen Sportarten, in denen täglich historische Marksteine gesetzt werden. Der österreichische Diskuswerfer Lukas Weißhaidinger will dies ändern und zum ersten männlichen Medaillengewinner bei Weltmeisterschaften in der ÖLV-Geschichte werden. Los geht es in Doha am Samstagnachmittag mit der Qualifikation (ab 15.15 Uhr MESZ), das Finale folgt am Montag.

Was hier nicht passieren darf, ist eine Wiederholung des Qualifikationsablaufes bei der Berlin-EM im Vorjahr. Damals musste der spätere Bronzemedaillengewinner zittern, überhaupt noch ins Finale zu kommen. Das Glück half etwas nach: Weil auch andere Topathleten im Vorkampf hinter den Erwartungen blieben, ging sich der Aufstieg für Weißhaidinger doch noch aus. Berlin hat aber auch gezeigt, dass Qualifikation und Finale zwei verschiedene Wettkämpfe sind. "Man kann im Finale nochmals attackieren. Das habe ich gemacht und eine Medaille geholt", erinnert sich Weißhaidinger. Das bedeute aber nicht, dass ihm in der Qualifikation nicht schon einmal die Knie schlotterten, fügte er hinzu. Die Hürde scheint nicht zu hoch: Als Qualifikationsweite in Doha wurden 65,50 Meter angesetzt, wer diese meistert, ist automatisch im Finale. Trainer Gregor Högler ist da optimistisch: "64, 65 Meter werden reichen, denke ich. Ich möchte, dass sich Luki in der Qualifikation anders als im Finale gibt", sagte er am Freitag. "In der Qualifikation wird es eine Sicherheitstechnik sein, im Finale werden wir von der Technik her riskieren, hopp oder dropp. Unsere Wurftechnik ist viel riskanter als andere, aber sie ist in der Zukunft zum Siegen gut."

Weißhaidinger ist mit Selbstvertrauen vollgetankt: "Wenn man schon einmal eine Medaille gemacht hat, dann ist vieles leichter. Und mit der Wahnsinns-Saison habe ich noch einmal ordentlich viel Selbstvertrauen dazu bekommen." Der WM-Neunte von London, damals aber geschwächt von einem Magen-Darm-Virus, ist als Diamond-League-Zweiter und Dritter in der Jahresweltbestenliste zumindest auf WM-Bronze ein heißer Anwärter. Vor ihm stehen der Schwede Daniel Stahl und der Jamaikaner Fedrick Dacres, den Weißhaidinger Anfang September in Brüssel aber geschlagen hat.

"Habe mir Finale verdient"

"Ich bin super in Form und fühle mich auch sehr gut. Ich habe mir mit dieser Saison das Finale verdient", sagte Weißhaidinger. "Und das Finale ist dann immer eine eigene Geschichte. Du musst alles geben, aber es ist auch Glückssache." Wenn er sich was wünschen könnte, dann freilich gleich mal 68 Meter zu Beginn, ergänzte er. Högler hakte da sofort ein: "Reden wir zuerst vom Keller des Hauses und überstehen die Qualifikation." Weißhaidinger hält den österreichischen Rekord mit 68,98 Meter (Mai 2018), heuer hat er 68,14 stehen. Österreich gewann bisher erst zwei WM-Medaillen. Steffi Graf holte 2001 in Edmonton Silber über 800 Meter, Sigrid Kirchmann 1993 in Stuttgart Bronze im Hochsprung.(rel/apa)