Man kann es auch so sehen: Für einen Eishockeyspieler, der über die gesamte Dauer seiner beruflichen Laufbahn kein einziges Mal in der NHL aufgelaufen ist, hat David Leggio ein beachtliches Erbe hinterlassen. Der 35-jährige, aus New York stammende Torhüter, der zuletzt bei den Grizzlys in Wolfsburg in Deutschland beschäftigt war, hat es geschafft, dass in der höchsten nordamerikanischen Spielklasse ab der heurigen Saison eine neue Regel gilt, die nach ihm benannt ist.

Es ist dies freilich eine eher zweifelhafte Ehre: Die "Leggio Rule", die in der Vergangenheit bereits die Offiziellen der unterklassigen American Hockey League (AHL) sowie die Deutsche Eishockey-Liga zu Änderungen im Regelwerk veranlasste, gilt ab sofort auch in der stärksten Eishockey-Liga der Welt. Kurioser Stein des Anstoßes war die wiederholte Reaktion von Mister Leggio, wenn er sich in brenzligen Phasen eines Spiels in einer Zwei-zu-eins-Situation wiederfand. Nachdem sich der Goalie ausrechnete, dass er mehr Chancen hätte, ein Gegentor zu verhindern, wenn er einfach das Tor aus den Angeln hob und wegschob - was einen Strafpenalty zur Folge hatte, ihm aber die Chance gab, sich mit nur einem statt mit zwei Gegnern herumschlagen zu müssen - und er damit lange Zeit auch noch durchkam (auf zwei Kontinenten!), sahen sich die NHL-Ligachefs jetzt, quasi prophylaktisch, gezwungen einzuschreiten. Weshalb ab sofort, sprich ab der neuen Saison, gilt, dass, wenn ein Torhüter auf die Idee kommen sollte, es Leggio gleichzutun, seine Tat nicht mehr mit einem Strafstoß, sondern mit einem automatischen Gegentor bestraft wird. Harsch, aber angesichts mangelnder Alternativen für einen Fair-Play-Verstoß dieser Güteklasse allemal gerechtfertigt. Im ersten Match der Spielzeit 2019/20 gab in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag der regierende Meister St. Louis Blues den Washington Capitals die Ehre, jenem Team, das sie in der Vorsaison als Stanley-Cup-Sieger ablösten.

Kanadier als große Unbekannte

Dabei wird die 103. Saison der NHL-Geschichte die vorläufig letzte mit 31 Mannschaften bilden, im kommenden Jahr erhält die Liga Zuwachs aus Seattle. Das neue, künftig dort ansässige Team hat zwar noch nicht einmal einen Namen, seine Manager haben aber bereits ein Farm Team in der AHL etabliert, welches im kalifornischen Palm Springs angesiedelt ist. Während der Favoritenkreis auf den Einzug in die für Ende Mai/Anfang Juni 2020 veranschlagte Stanley-Cup-Finalserie überschaubar ist, stellen die große Unbekannte auch heuer wieder die Mannschaften aus Kanada. Zwischen Vancouver im Westen bis Montreal im Osten herrscht allgemeiner Konsens, dass es nach einem runden Vierteljahrhundert Durststrecke wieder einmal an der Zeit für einen nordamerikanischen Eishockey-Champion wäre, der nicht aus den USA kommt. So lange ist es mittlerweile her, dass die in Quebecs größter Stadt beheimateten Canadiens - bis heute mit 25 Titeln unangefochtener NHL-Rekordmeister - den Pokal gewannen.