Indian Wells, Barcelona, Kitzbühel - und nun Peking. Der Weg zum Erfolg ist gewöhnlich immer weit, im Fall von Dominic Thiem führte er über drei Kontinente und einen Ozean. Tatsächlich ist aber das Aufsehen, das der Österreicher am Sonntag im ATP-500-Finale in Chinas Hauptstadt geboten hat, nicht nur dem Triumph geschuldet, ist doch Thiems Sieg über den als Nummer drei gesetzten Griechen Stefanos Tsitsipas bereits sein vierter ATP-Titel in der aktuellen Saison. Freilich, dieses Kunststück hat der 25-Jährige schon einmal, im Jahr 2016, geschafft, allerdings waren die damals gewonnenen Turniere in Buenos Aires, Acapulco, Nizza und Stuttgart mit Ausnahme von Mexiko (500 Punkte) allesamt nur auf 250er-Ebene angesiedelt. Für 2019 stehen immerhin gleich zwei ATP-500-Siege sowie der Triumph beim 1000er-Turnier von Indian Wells, als Thiem den großen Roger Federer (Sz) bezwang, zu Buche. Oder anders ausgedrückt: Damit hat Thiem heuer dieselbe Zahl an Titeln vorzuweisen wie die beiden Giganten Novak Djokovic (Srb) und Rafael Nadal (Sp).

Aber auch eine andere Zahl ist für den nicht immer konstant spielenden Thiem in diesem Zusammenhang beachtlich: Zum ersten Mal in seiner Karriere gewann der Lichtenwörther zwei Matches in Folge, in denen er jeweils einen Satz- und einen Breakrückstand aufzuholen hatte. Genauso wie gegen Tsitsipas war er auch gegen Halbfinalgegner Karen Chatschanow zurückgelegen, kämpfte sich allerdings in einem regelrechten Krimi dann doch noch ins Endspiel. Thiem ist sich der Bedeutung des Sieges bewusst. "Es war eines der besten Matches, die ich bisher in meiner Karriere gespielt habe", erklärte er in einer ersten Reaktion. Zudem war ihm die Erleichterung, dass es nach zahllosen Fehlschlägen endlich auch im Fernen Osten geklappt hatte, anzusehen. Österreichs Nummer eins bedankte sich sogar auf Chinesisch beim Publikum und fügte hinzu: "Es ist meine beste Saison. Das bedeutet mir sehr viel."

Finanziell ausgezahlt hat sich Peking jedenfalls, ist doch Thiem nicht nur um 500 Zähler für das ATP-Ranking, sondern auch um 669.000 Euro reicher. Ein höheres Preisgeld hatte er bisher nur in Indian Wells überwiesen bekommen, damals landeten 1,2 Millionen auf seinem Konto.

In der Tennis-Weltranglisten hat es indessen kaum Veränderungen gegeben, fix ist, dass Thiem als Fünftplatzierter seit vergangenem Wochenende auch für das Saison-Finalturnier, die ATP-Finals in London, qualifiziert ist. Der Peking-Sieger ist nach Nadal, Djokovic, Federer und Daniil Medwedew (Rus) als fünfter Spieler in der britischen Hauptstadt (10. bis 17. November) mit dabei. Bei den Damen in Shenzhen (27. Oktober bis 3. November) sind es indes sechs von acht. Neben Wimbledonsiegerin und Australian-Open-Finalistin Petra Kvitová (Cz) hatte sich mit Ashleigh Barty (Aus), Simona Halep (Ru), Bianca Andreescu (Kan), Naomi Osaka (Jp) und Karolína Plíšková (Cz) schon ein Quintett qualifiziert.

Rivale Nadal fehlt in Shanghai

Für Thiem geht die Tour aber vorerst im China - beim ATP-1000-Turnier in Shanghai - weiter, wo er nach einem Freilos in Runde zwei auf den Spanier Pablo Carreño Busta oder den Chinesen Ze Zhang treffen wird. Thiem ist durch die Absenz Nadals an Position vier gesetzt, für den Österreicher ist also die erste Aufgabe in der Metropole am gelben Meer nicht unlösbar. Im Viertelfinale könnte wiederum Roberto Baustista-Agut (Sp) warten. Weitaus größere heimische Resonanz wird freilich Thiems Teilnahme beim kommenden ATP-Turnier in der Wiener Stadthalle (19. bis 27. Oktober) hervorrufen. Ein Triumph wäre historisch, und ein neuerlicher großer Sprung nach vorn dazu.(rel)