Suzuka. Während bei Ferrari der Haussegen schief hängt und Red Bull beim vom Taifun Hagibis bedrohten Honda-Heimrennen in Japan auf ein Stockerl hofft, kann Mercedes in Suzuka schon den ersten Saisontitel in der Formel-1-WM 2019 einfahren. Holt Mercedes am Sonntag 14 Punkte mehr als Ferrari, ist man vorzeitig zum sechsten Mal Team-Champion. Der Fahrertitel für Lewis Hamilton wird bald folgen.

Die sportlichen Vorzeichen vor dem 17. von 21 Rennen sind für den Rennstall des österreichischen Teamchefs Toto Wolff jedenfalls gut, zumindest deutlich besser als die Wetteraussichten. Mega-Taifun Hagibis trifft exakt am Wochenende auf Land und soll mit Windgeschwindigkeiten von weit über 200 Stundenkilometer einer der heftigsten Wirbelstürme des vergangenen Jahrzehntes werden. Er bedroht neben der Zivilbevölkerung auch die Zehntausenden Zuschauer sowie die gerade in Japan laufende Rugby-WM.

In der Formel 1 wird zumindest mit Programmänderungen gerechnet. Sportlich gilt, dass Mercedes nach drei "Niederlagen" in Folge zuletzt in Russland in die Siegerspur zurückgefunden hat und in der Hybrid-Ära, also seit fünf Jahren, in Suzuka ungeschlagen ist.

Wolff gewarnt

Die jüngsten vier Erfolge gehen auf das Konto von Hamilton, der fünf Rennen vor Schluss in der Fahrer-WM mit 322 Zählern schon 73 Punkte vor seinem Teamkollegen Valtteri Bottas liegt, vor allem aber schon 107 Zähler Vorsprung auf den drittplatzierten Ferrari-Fahrer Charles Leclerc (215) sowie 110 auf Red-Bull-Star Max Verstappen (212) hat. Obwohl Ferrari mit Siegen in den ersten drei Rennen nach der Sommerpause ein großes WM-Comeback gelungen ist, liegt Mercedes vor allem dank seiner elf Siege (acht Doppelsiege) in bisher 16 Rennen auch in der Teamwertung mit 162 Punkten Vorsprung auf Ferrari klar voran. Während der neunfache Saisonsieger Hamilton auf seinen sechsten Titelgewinn noch bis mindestens Mexiko warten muss, genügen dem Mercedes-Team am Sonntag (7.10 Uhr MESZ) 14 Punkte mehr als Ferrari zum vorzeitigen Titelgewinn. Mit sechs Titeln in Serie würde Mercedes den Ferrari-Rekord (1999 bis 2004) egalisieren. Man kann sich aber natürlich nicht darauf verlassen, dass Ferrari erneut einen möglichen Sieg wegwirft. Wolff warnte daher: "Der Sieg in Sotschi ändert jedoch nichts daran, dass Ferrari einen stärkeren Start in die zweite Saisonhälfte hingelegt hat als wir. Wir müssen aus dem Auto und den Reifen alles herausholen, wenn wir um den Sieg kämpfen möchten." Auf die WM ging Wolff zunächst nur vage ein. "Unsere Ziele für das letzte Viertel der Saison sind klar, und es liegt an uns, sicherzustellen, dass wir diese auch erreichen."

Fahrer-Hick-Hack

Nur noch Ferrari kann Mercedes den Team-Titel streitig machen. Aber während beim Führenden die Hierarchien geklärt sind, sorgt bei den Italienern der Piloten-Revierkampf für Rückschläge. Leclerc ist jeweils aus der Pole in die jüngsten vier Rennen gegangen. Ohne das Fahrer-Hick-Hack hätten dabei wohl auch vier statt der drei Siege herausschauen können. Zuletzt in Russland konnte die ganze Welt den internen Stallorder-Streit über Funk mithören und löste am Ende ausgerechnet Vettel mit seinem Ausfall jene Safety Car Phase aus, die Leclerc entscheidend zurückwarf und Hamilton den Sieg ermöglichte. Die technisch anspruchsvolle Strecke in Suzuka könnte Ferrari zwar wieder liegen, zuerst muss Teamchef Mattia Binotto aber die Situation zwischen Platzhirsch Vettel und Senkrechtstarter Leclerc bereinigen. Honda hofft, im Heck von Red Bull vor dem berühmten Riesenrad des angeschlossenen Unterhaltungsparks stark in Erscheinung treten zu können und versucht, auch die Fans glücklich zu machen. Beim ersten Training sitzt Super-Formula-Champion Naoki Yamamoto im Toro Rosso von Pierre Gasly. Seit 2015 ist der japanische Hersteller wieder in der Formel 1, heuer hat es dank Verstappen schon zwei Siege gegeben.