Wenn es um die Proteste in Hongkong geht, verstehen die Chinesen keinen Spaß mehr. Diese wenig überraschende Tatsache musste in diesen Tagen auch Daryl Morey, seines Zeichens General Manager im NBA-Profiverein Houston Rockets, bitter zur Kenntnis nehmen. Was vor drei Tagen mit einem (mittlerweile gelöschten) Posting auf dem Twitter-Konto Moreys, in welchem er die gegen ihre regimetreue Regierung demonstrierenden Hongkonger zum Weitermachen aufforderte ("Kämpft für die Freiheit"), begann, hat sich mittlerweile zu einer internationalen Krise ausgewachsen. Mit dem Tweet und seinen Folgen befasst sind nicht nur die Präsidentenbüros in Peking und Washington, sondern vor allem die National Basketball Association NBA, die in China stark investiert und präsent ist.

Die Eskalation konnte auch eine eilige Entschuldigung Moreys - ebenfalls via Twitter und von der anderen Seite nicht minder kritisiert - nicht mehr verhindern.

 


Die chinesische Führung schoss augenblicklich zurück: So zogen chinesische Prominente ihre Teilnahme an einem (schließlich abgesagten) Fanevent in Shanghai zurück, auch wurde die Übertragung von NBA-Testspielen im chinesischen Fernsehen gestoppt. Angefacht wurde die Empörung im Reich der Mitte in der Folge durch ein Statement von NBA-Commissioner Adam Silver, in welchem er die Worte Moreys bedauert, zugleich aber festgehalten hatte, dass die Liga Meinungsfreiheit hochhalte. Die Antwort aus China ließ nicht lang auf sich warten - und fiel ebenso unfreundlich wie klar aus. Man sei völlig unterschiedlicher Meinung zu Silvers Unterstützung für Morey, schrieb der KP-treue Staatssender CCTV in einer Erklärung und stellte fest: "Wir denken, dass alle Kommentare, die die Souveränität und soziale Stabilität eines Landes infrage stellen, nicht in den Bereich Meinungsfreiheit fallen."

Zu spüren bekommen dies im Reich der Mitte nun die NBA-Profis: Zwar fand ein für Donnerstag angesetztes Exhibition-Match der Los Angeles Lakers und Brooklyn Nets in der Mercedes-Benz-Arena von Shanghai dann doch statt, allerdings ist der Schaden angerichtet. Nicht nur hat die Chinese Basketball Association (CBA) Moreys Klub Houston bereits die Kooperation aufgekündigt, sondern auch erboste zahlungskräftige Sponsoren auf ihre Seite gebracht. Deren Druck ist gewaltig, ebenso jener der chinesischen NBA-Fans. Eine weitere Verärgerung ihrer Klientel will sich die NBA, die jährlich Milliarden Yuan allein aus Merchandising-Deals mit China lukriert, nun nicht mehr leisten. Wie hoch das mögliche Verlustpotenzial ist, zeigt eine Mitteilung des NBA-Spiele streamenden Technikriesen Tencent vom Juli, wonach rund 500 Millionen Chinesen vergangene Saison zumindest ein Ligaspiel auf seiner Plattform gesehen haben.

Kritik an NBA-Coach Kerr

In den USA hat sich indessen Präsident Donald Trump erstmals zur Krise zwischen der NBA und China geäußert - und versucht, den Konflikt für seine Zwecke zu nutzen, indem er das Verhalten der Trump-Kritiker und Trainer Steve Kerr (Golden State Warriors) und Coach Gregg Popovich (San Antonio Spurs) anprangerte. Kerr hatte am Montag die Krise zwischen der NBA und China nicht offen kommentieren wollen. Daraufhin bezeichnete Trump den Coach der Warriors als einen "kleinen Jungen, der viel zu große Angst hatte, um die Frage zu beantworten". "Er wusste nicht, wie er die Frage beantworten soll, und dennoch redet er schlecht über die Vereinigten Staaten", sagte der Präsident. Und über den Spurs-Trainer meinte er: "Ich habe Popovich gesehen, das war ähnlich. Aber tatsächlich sah er nicht so ängstlich aus. Ist das nicht traurig?"

Tatsächlich hatte sich Popovich in der Vergangenheit wiederholt wenig ängstlich gezeigt, wenn es darum ging, Trump zu kritisieren. "Dieser Mann ist ein seelenloser Feigling, der nur dadurch groß zu werden glaubt, indem er andere schlechtmacht", polterte Popovich vor zwei Jahren in der US-Zeitschrift "The Nation". "Wir haben einen pathologischen Lügner im Weißen Haus, intellektuell, emotional und psychologisch ungeeignet für dieses Amt, und die ganze Welt weiß es." Geht es um Trump, versteht auch der große Popovich keinen Spaß mehr.