Der US-Sportartikelgigant Nike schließt sein umstrittenes Oregon Project (NOP), das bestätigte des Unternehmen am Freitag. Projekt-Cheftrainer Alberto Salazar war in der vergangenen Woche wegen Verstößen gegen die Anti-Doping-Regeln für vier Jahre gesperrt worden. Die Vorwürfe beziehen sich auf die Zeit von 2010 bis 2014.

Nike-Chef Mark Parker gab die Kritik aber zurück und sprach von "anhaltenden unbegründeten Behauptungen". Diese Situation würde die  "Fähigkeit der Athleten, sich auf Trainings- und Wettkampfbedürfnisse zu konzentrieren", beeinträchtigen, wurde er im US-Magazin "Runner's Point" zitiert. "Ich habe daher die Entscheidung getroffen, das Oregon-Projekt zu schließen."

Salazar war nach langjährigen Ermittlungen der US-Anti-Doping-Agentur (Usada) aus dem Verkehr gezogen worden, ebenso wie der Arzt Jeffrey Brown. Der gebürtige Kubaner und frühere Marathon-Spitzenläufer Salazar hat dagegen Einspruch erhoben. Nike hält weiterhin an dem bis 2017 auch mit Vierfach-Olympiasieger Mo Farah arbeitenden Salazar fest.

Laut Nike habe die Untersuchungskommission nicht festgestellt, dass bei NOP-Athleten "jemals leistungssteigernde Mittel eingesetzt" worden seien. Die Gesamtsituation sei für die Läufer aber zu einer "unfairen Belastung" geworden. "Wir werden all unseren Athleten bei diesem Übergang helfen, wenn sie die für sie geeigneten Trainingsbedingungen auswählen. Wir werden Alberto in seiner Berufung weiterhin unterstützen."

Starke Bilanz bei WM

Der NOP-Campus befindet sich auf dem Hauptgelände des Sportartikelherstellers Nike, dem Haupt-Geldgeber. Bereits 2001 hatten Nike und Salazar das Projekt gegründet. Der 61-Jährige gewann einst dreimal den New-York-Marathon. Zuletzt hatten aktuelle NOP-Läufer bei der WM in Doha mächtig abgeräumt. Ihre Bilanz: dreimal Gold, einmal Silber und Bronze. Der US-Amerikaner Donavan Brazier siegte über 800 Meter, Yomif Kejelcha aus Äthiopien gewann Silber über 10.000 Meter. Die Deutsche Konstanze Klosterhalfen wurde über 5000 Meter Dritte. Die gebürtige Äthiopierin Sifan Hassan (Niederlande) triumphierte über 1500 und 10.000 Meter, was vor ihr noch niemandem gelungen war.

Klosterhalfen hatte noch in Katar angekündigt, weiter beim NOP trainieren zu wollen: "Das bleibt das beste Team der Welt. Ich weiß für mich und alle, die drumherum sind und Einblicke haben, was da passiert und was nicht passiert", sagte sie. "Doping ist da nie ein Thema." (apa/dpa)