Ganz entspannt in Jeans und Sneakers auf einem altmodischen Friseurstuhl sitzend, umgeben von den größten Basketball-Stars des Landes und einer der besten Turnerinnen unserer Zeit: Die Berater des kalifornischen Gouverneurs Gavin Newsom hatten sich offenbar etwas gedacht, als sie über den bestmöglichen Rahmen brainstormten, in dem der Chef seine Unterschrift unter ein ganz besonderes neues Gesetz setzen sollte. So geschah es, dass der "Fair Pay to Play Act" nicht am Gouverneur-Schreibtisch in der Hauptstadt Sacramento, sondern in einem von LeBron James angemieteten Retro-Friseurladen in Los Angeles in Kraft trat, der Letzterem auch als Setting seiner HBO-Talkshow "The Shop" dient. Angesichts des explosiven Inhalts des Gesetzes trotzdem ein vergleichsweise gediegener Schauplatz: Innerhalb der Grenzen des Bundesstaats Kalifornien, mit rund 40 Millionen Einwohnern der größte der USA, soll es College-Athleten, die bisher einem strikten Amateurstatus-Regime unterworfen sind, ab 2023 erlaubt sein, Geld zu verdienen. Ein Schritt, der im amerikanischen College Sport nicht weniger als einer Revolution gleichkäme.

Die College-Meisterschaften entzücken Fans, Betreiber und Universitäten. Nur die Sportler gehen leer aus - bisher zumindest. - © afp, Getty, Hannah Foslien
Die College-Meisterschaften entzücken Fans, Betreiber und Universitäten. Nur die Sportler gehen leer aus - bisher zumindest. - © afp, Getty, Hannah Foslien

Der Konjunktiv gilt in diesem Zusammenhang insofern, als gegen das Gesetz mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit schon bald Klage von Seiten der National Collegiate Athletic Association (NCAA) erhoben werden wird. Für die Organisation, die rund 1300 Universitäten und andere Institutionen höherer Bildung zu ihren Mitgliedern zählt und ihren Hauptsitz in Indianapolis, Indiana hat, steht nichts weniger auf dem Spiel als ihr Geschäftsmodell. Nämliches hat sich seit ihrer Gründung im Jahr 1906 im Kern nicht verändert und seitdem Myriaden von Funktionären, Universitäts-Angestellten, Verwaltungsdirektoren, aber vor allem Trainern reich gemacht. Nur eine Gruppe schaute stets durch die Finger: die Spieler der Uni-Teams, die jedes Wochenende hunderttausende Menschen in die Stadien und Hallen und Millionen vor die Fernseher bringen.


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Mehr als eine Milliarde Dollar Umsatz

Der kombinierte Umsatz der NCAA, mit den Gelddruckmaschinen Basketball und Football als Zugpferden, beträgt heute über eine Milliarde Dollar. Geht es nach Newsom, sollen künftig auch manche Spieler etwas davon abbekommen - zumindest in Kalifornien. Dafür, dieses Ansinnen symbolisch zu unterstützen, versammelte sich der Rest der "Shop"-Gäste. Neben Newsom und James treten in dem Video der als "weiblicher Michael Jordan" bekannte WNBA-Star Diana Taurasi, die Anfang des Jahres zu viralem Ruhm gekommene Turnerin-Sensation Katelyn Ohashi sowie Ed O’Bannon auf. Auch wenn Letzterer nicht so bekannt ist wie der Rest der Runde - sein größter Erfolg bestand im Gewinn der nationalen Basketball-College-Meisterschaft mit UCLA 1995 -, weist seine Biografie einen konsequenzenreichen Sieg auf, den er nicht auf dem Court, sondern vor Gericht erzielte.