2011 musste Thomas Muster (l.) dem jungen Dominic Thiem in der Wiener Stadthalle zum Sieg gratulieren. - © APAweb / Georg Hochmuth
2011 musste Thomas Muster (l.) dem jungen Dominic Thiem in der Wiener Stadthalle zum Sieg gratulieren. - © APAweb / Georg Hochmuth

Es war der 26. Oktober 2011, als ein damals noch recht schmächtig und blass wirkender Bursch in der Wiener Stadthalle nicht nur gegen den großen Thomas Muster, sondern auch gegen fast 7500 Zuschauer, die sich wie 7500 mehr anfühlten, antrat – und diese Reifeprüfung vorerst meisterte. 6:2, 6:3 lautete das Ergebnis, mit dem ein gewisser Dominic Thiem gegen den seine Abschiedsvorstellung gebenden Grandseigneur des heimischen Tennissports gewann. Während die Profikarriere des einen – der seinen inoffiziellen Abschied eigentlich schon lange davor begangen hatte – damit offiziell endete, begann jene des anderen mit seinem ersten Sieg auf ATP-Ebene überhaupt, so richtig Fahrt aufzunehmen. Vor der Auslosung zum heurigen Turnier am Samstag (12 Uhr) erinnert sich Thiem auf Twitter daran:

Dass ihm eine große Zukunft beschieden sein sollte, ahnten Experten damals schon. Kurz davor hatte der damals 17-Jährige als erster heimischer Tennisspieler nach Muster das Junioren-Finale bei den French Open erreicht (Jürgen Melzer hatte jenes in Wimbledon 1999 sogar gewonnen), die Austria Presse-Agentur schrieb daher damals schon, Thiem wandle "auf den Spuren" des bis heute einzigen österreichischen Grand-Slam-Siegers im Herren-Einzel.

Und Thiems damaliger Betreuer und Langzeitmanager Günter Bresnik, eigentlich als kauzig verschrien, strahlte nur so in die Kameras: "Er ist technisch mit Abstand am besten. Über den reden die Leute hier. Es taugt mir, wenn ein Wilander, ein McEnroe von ihm schwärmen. Es kommen alle Manager zu mir und sagen: ,Es ist ein Wahnsinn, wie der spielt‘."

Dominic Thiem will nach seinem ersten Wien-Titel greifen. - © APAweb / afp, Noel Celis
Dominic Thiem will nach seinem ersten Wien-Titel greifen. - © APAweb / afp, Noel Celis

Muster wiederum meinte nach dem Generationenduell in der Stadthalle anerkennend über Thiem: "Er hat das bravourös gemeistert und das Publikum und die Halle super weggesteckt. Ich hoffe, dass er so weitermacht und mit den Beinen auf dem Boden bleibt. Dann kann er einmal ein sehr guter Tennisspieler werden." Mit den Beinen auf dem Boden geblieben ist Thiem, einen Höhenflug hat er trotzdem - oder gerade deswegen - hingelegt. Zu seinem zehnten Antreten beim Stadthallenturnier – bei seinem ersten 2010 war er in der Qualifikation noch ausgeschieden - kommt er als Nummer fünf der Weltrangliste, zweifacher French-Open-Finalist – freilich bei den Herren – und 15-facher Turniersieger. Vier davon hat er heuer gefeiert, zuletzt die Hartplatz-Veranstaltung in Peking.

Dass in Daniil Medwedew, Kei Nishikori und Nick Kyrgios drei Topspieler für Wien abgesagt haben, dürfte Thiem bei seinem Ansinnen, nach seinem Premierensieg auf österreichischem Boden in Kitzbühel im Sommer auch in Wien zuzuschlagen, nicht schaden – sehr viel leichter ist es angesichts des ausgewogenen Feldes an der Spitze dennoch nicht geworden.