Sportlich geht es an diesem Wochenende um nichts weniger als die WM-Krone in der selbsternannten Königsklasse des Motorsports. Doch weil es in ebendieser schon länger eben nicht mehr nur um Sport geht und die Dominanz von Mercedes, das heuer zum sechsten Mal hintereinander die Konstrukteurswertung gewonnen hat und demnächst Lewis Hamilton als Weltmeister wird feiern dürfen, ohnehin jede Spannung erstickt hat – und weil das beides irgendwie zusammenhängt, wird dieser Tage vor dem Grand Prix der USA am Sonntag in Texas vor allem über die Neuausrichtung der Formel 1 in den kommenden Jahren diskutiert.

Denn das Concorde Agreement, das die Rahmenbedingungen und die Geldverteilung regelt, läuft Ende 2020 aus – und damit die Teams sich darauf einstellen können, sollen die Regelungen, die gemeinsam mit dem Weltautomobilverband FIA und den Inhabern der Formel 1 ausgehandelt werden, schon an diesem Donnerstag verkündet werden.

Nicht bei allen stößt dies auf Begeisterung. Denn dass eine schon lange diskutierte Budgetobergrenze – erwartet wird, dass diese bei 175 Millionen Dollar exklusive Fahrergehälter liegt – kommt, ist mittlerweile fix. Doch laut der Meinung vieler dürfte diese ab 2021 gültige Deckelung die Top-Teams eher dazu anregen, im kommenden Jahr noch mehr auszugeben, um den Wettbewerbsvorteil für die Saison darauf aufrechtzuerhalten. Mehr investieren, um in Folge den Eindruck von Sparen zu vermitteln – so das Motto, das freilich nicht nur aus dem Sport bekannt, dennoch nicht ganz im Sinne des Erfinders ist.

Wolff: "Wandel ist teuer"

Die Top-Teams, die das betreffen würde – allen voran Mercedes, Ferrari und Red Bull – bestreiten solche Überlegungen nicht einmal. "2020 wird ein Jahr der Mehrausgaben, um für 2021 gerüstet zu sein", sagt der österreichische Mercedes-Teamchef Toto Wolff und erläutert: "Wir werden Dinge anders machen als heute. Und deshalb ist klar, dass wir uns 2020 anpassen und ändern müssen. All dieser Wandel ist teuer."

Für seinen Red-Bull-Kollegen Christian Horner wäre es deshalb sinnvoller gewesen, "wir hätten die Ausgabengrenze 2021 eingeführt, uns dann mehr Zeit zur Entwicklung des Regelwerks genommen und dieses dann rechtzeitig für 2022 in Kraft gesetzt. Dann würde jede Maßnahme unter den Schirm des Budgetlimits fallen."

Top-Teams fürchten Schwinden des Einflusses

Die Budgetobergrenze, deren Umsetzung und Überwachung sind allerdings zwei Tage vor der geplanten und schon mehrmals verschobenen Bekanntgabe nicht die einzigen strittigen Punkte des neuen Regelwerks. So sollen die wichtigen Entscheidungen künftig nicht mehr in der Strategiegruppe und der Formel-1-Kommission fallen, sondern nur noch in einem Gremium, bestehend aus Vertretern der Geschäftsführung, der FIA und der Teams. Die Spitzenrennställe, von denen Ferrari sogar ein alleiniges Vetorecht und zuletzt wenig Anstalten gemacht hat, freiwillig darauf zu verzichten, sehen dadurch ihren Einfluss schwinden. Auch der angestrebte Zwang zu Einheitsbauteilen sowie weniger technische Freiheiten stoßen bei ihnen naturgemäß auf Widerstand.

Zumindest in einem Punkt betreffend der Zukunft über die heurige Saison hinaus hat die Formel 1 am Dienstag allerdings einen Teilerfolg erzielt. Die bauliche Erweiterung der Strecke beim Nordseebad in Zandvoort, wo 2020 der Grand Prix der Niederlande ausgetragen werden soll, darf nach einem richterlichen Beschluss fortgesetzt werden. Naturschutzorganisationen hatten gegen die Bauarbeiten in dem Naturschutzgebiet geklagt, weil diese das Lebensgebiet einer Eidechsen- und einer Krötenart bedrohen würde.
Amphibien sind derzeit allerdings nicht das Einzige, womit sich die Formel 1 beschäftigen muss.