Sowohl mit Roger Federer als auch mit Novak Djokovic hat Österreichs Tennis-Aushängeschild Dominic Thiem bei seinen bisher drei ATP-Finals-Auftritten in London schon (unliebsame) Bekanntschaft gemacht. Gegen den 19-fachen Grand-Slam-Sieger aus der Schweiz setzte es im Vorjahr eine glatte Zweisatzniederlage; gegen den 16-maligen Major-Champion aus Serbien gab es wiederum zwei Jahre davor nichts zu holen – nach gewonnenem Tiebreak folgte ein 0:6 und 2:6. Beide Tennis-Allzeitgrößen sieht der Weltranglistenfünfte beim heurigen Saisonschluss in der O2-Arena wieder – und zwar schon fix in der Vorrundengruppe "Björn Borg". Die am Dienstag vorgenommene Auslosung bescherte dem 26-jährigen Niederösterreicher damit ein veritabeles Horrorlos. Zumal der Vierte im Bunde wahrlich auch kein Jausengegner ist: Der italienische Newcomer Matteo Berrettini spielt seit Wochen in Hochform und konnte von Thiem bei dessen jüngstem Turniersieg in Wien mit Müh’ und Not im Semifinale niedergerungen werden.

Ganz anders gestaltet sich indes die Gruppe "Andre Agassi": Der Weltranglistenerste aus Spanien, Rafael Nadal, reist mit einer Bauchmuskelzerrung nach London, womit wie vor zwei Jahren ein vorzeitiges w.o. droht; Daniil Medwedew (Rus, 4) kämpfte nach starker Hartplatzsaison mit Erschöpfungszuständen und schied zuletzt in Paris-Bercy gegen einen Qualifikanten aus; und Titelverteidiger Alexander Zverev (D, 7) hat wahrlich auch schon bessere Tage erlebt; die Gruppe komplettiert der Grieche Stefanos Tsitsipas (6).
Durch Nadals Zusage sind jedenfalls erstmals seit längerer Zeit wieder die "Big Three" des Tennis-Sports mit von der Partie. "Im Finale sind alle acht Spieler stark. Das ist das erste Mal seit Langem, dass alle Drei spielen – und da ist die Wahrscheinlichkeit 50:50, dass du zwei in der Gruppe hast. Aber klar, es ist sicher die schwerere Version", meinte Thiem-Manager Herwig Straka gegenüber der Austria Presse Agentur.

Thiems großes Ziel ist es ja, erstmals nach dreimaligem Ausscheiden in der Gruppenphase ins Semifinale vorzustoßen. Da nur die Top Zwei jeder Gruppe weiterkommen, gilt es jedenfalls eine der beiden Giganten zu schlagen. Schwierig, aber nicht unmöglich für Straka, der seinen Schützling in "bester Verfassung" verortet. "Warum soll es nicht einmal gelingen? Das Ziel bleibt definitiv unverändert – und die Wahrscheinlichkeit, dass er es schafft, ist auch größer als zuvor, auch wenn die Auslosung schwer ist."

Am Sonntag wartet Federer

Der erste Gegner wird schon am Sonntag (nicht vor 21 Uhr MEZ) Federer sein. Thiem ist einer der wenigen Spieler, die eine positive Bilanz gegen die lebende Schweizer Tennis-Legende haben. Der Weltranglistenfünfte führt im Head-to-Head mit 4:2 und hat zudem die beiden Begegnungen in diesem Jahr für sich entschieden: Unvergessen ist vor allem der Finalsieg in Indian Wells, als Thiem nach einem 4:6, 6:3, 7:5-Erfolg über seinen ersten Titel auf Masters-1000-Niveau jubeln durfte. Auch im Viertelfinale von Madrid setzte sich Thiem knapp in drei Sätzen durch. Allerdings liegen dem sechsfachen Masters-Champion (zuletzt 2011) die Bedingungen in der O2-Arena besonders.

Gegen Djokovic hat Thiem zwar eine negative Bilanz (3:6), sein Erfolg heuer beim Fünfsatzkrimi im French-Open-Semifinale ist aber legendär.
Die weiteren Gruppenspiele Thiems (ServusTV überträgt alle live) sind für Dienstag und Donnerstag kommende Woche geplant, die jeweiligen Gegner entscheidet der Ausgang am Sonntag. Den Auftakt in der Gruppe bildet am Sonntag das Match Djokovic vs. Berrettini (nicht vor 15 Uhr MEZ).
Die Semifinale sind für 16. November angesetzt, das Finale steigt tags darauf. (may/apa)