Dominic Thiem hat am späten Sonntagabend mit heiserer Stimme, aber sehr zufrieden über sein erstes Match beim ATP-World-Tour-Finale in London bilanziert. Erstmals im vierten Versuch hat er gleich sein Auftakt-Gruppenmatch gewonnen, noch dazu gegen Roger Federer. Seine Ausgangslage für den erhofften erstmaligen Halbfinaleinzug ist nach dem 7:5, 7:5-Sieg dementsprechend gut. Der dritte Gruppengegner ist Matteo Berrettini, der zum Auftakt glatt gegen Djokovic verlor.

"Es ist ein gutes Gefühl, und ich habe auch das Gefühl, dass ich obenauf bin, weil ich nur noch einen Schritt weg bin vom Halbfinale", sagte Thiem schon im Hinblick auf das Duell mit Novak Djokovic am Dienstag. "Ich kann das natürlich am Dienstag fixieren, aber auf der anderen Seite: wenn ich die Partie verliere, dann beginnt wieder das große Zittern, und dann geht es wieder am Donnerstag um alles", sagte der zweifache French-Open-Finalist.

"Irgendwie ist jedes Match richtig wichtig. Aber es ist definitiv schöner, so ins Turnier zu starten als in den letzten drei Jahren." Dass er es bisher noch nie geschafft hat, im gleichen Turnier nach einem Sieg über einen der "big three" im nächsten Match gegen den nächsten zu reüssieren, macht ihn nicht bange. "Ich glaube, dass es von der Situation her diesmal schon ein bisserl anders ist. Es ist hier komplett am Anfang von einem Turnier, es ist best-of-three-Sätze, ich habe morgen Pause, dann werde ich am Dienstag sicher topausgeruht ins Match gehen."

Dies sei sonst noch nie der Fall gewesen. Etwa bei den diesjährigen French Open, als er wegen Regens vier Tage durchspielen musste. "Damals in Rom, als ich Nadal geschlagen habe, habe ich schon richtig viele Matches in den Beinen gehabt und bin ein bisserl eingegangen. Ich muss so wie heute vom ersten Punkt an voll da sein, wenn ich eine Chance haben will."

Hocherfreut war er freilich über die anderen Erfolge ihm nahe stehender Menschen am Sonntag: Seine Freundin Kristina "Kiki" Mladenovic hatte alle drei Punkte im Endspiel des Fed Cup für Frankreich geholt, sein guter Freund Dennis Novak den Challenger-Titel in Bratislava gewonnen. "Das ist ein guter Tag heute gewesen. Kiki hat absolut Geschichte geschrieben, ist wahrscheinlich ab heute eine Nationalheldin in Frankreich." Und auch der Erfolg von Novak sei "richtig geil". "Er hat einen sehr guten Spieler in 48 Minuten 1 und 1 vom Platz geschossen. Da sieht man wieder einmal, was er für ein Potenzial hat, und er hat sich auch selbst die Chance gegeben, das Unmögliche noch möglich zu machen und sich direkt für Australien zu qualifizieren, wo er definitiv hingehört. Ich hoffe, dass er das beim letzten Turnier fixiert."

Seine Sieg über Federer stuft er hoch ein. "Es ist schon was Besonderes, jedes Mal gegen Federer zu spielen und dann ihn zu schlagen, ist natürlich noch schöner. Um das zu machen, muss sehr viel passen. Ich habe gut serviert, sehr gut retourniert und auch von hinten die meiste Zeit solide gespielt. Nur so ist die Chance da." (apa)