"Es war magisch", sagte Roger Federer und meinte damit die Atmosphäre in der Londoner O2-Arena. Es war magisch, stimmten ihm die 17.500 Zuschauer zu, und meinten damit die Leistung, mit der Federer Novak Djokovic im Gigantenduell um den zweiten Platz hinter Dominic Thiem und damit den Aufstieg aus der Gruppe "Björn Borg" besiegte. Und tatsächlich hat es auch einen Anflug von Magie, wie der Schweizer Altmeister es immer wieder schafft, die Zeit zumindest scheinbar ein bisschen zurückzudrehen.

Als Federer im Jahr 2003 zum ersten Mal das Saisonabschlussturnier der besten acht Spieler – damals noch unter dem Titel ATP-Masters-Cup und am Schauplatz Houston – gewann, war Thiem gerade einmal zehn Jahre alt; Stefanos Tsitsipas, der vorzeitig den Aufstieg aus der Gruppe "Andre Agassi" geschafft hatte (der zweite Semifinalist aus diesem Pool wird erst am Freitagabend ermittelt), noch nicht einmal im Volksschulalter. Schon vor dem Turnier war wie so oft das Wort "Wachablöse" durch die Tennisszene gegeistert, Federer hat sie vorerst noch einmal verschoben.

In London, wo er am Samstag vor der Partie von Dominic Thiem um 15 Uhr das erste Halbfinale bestreitet, hat er nun die Chance auf seinen siebenten Titel bei diesem Turnier, womit er den alleinigen Rekord übernehmen würde. Allerdings spürt nicht nur er, sondern auch der Rest der "Big Three" – mit ihm der bereits ausgeschiedene Novak Djokovic und der am Freitag noch um den Aufstieg kämpfende Rafael Nadal –, dass die jüngere Generation, von der Thiem mit seinen 26 Jahren sogar schon einer der älteren ist, spürbar nachdrängt. Im vergangenen Jahr gewann Sascha Zverev den inoffiziellen Weltmeistertitel mit einem Finalsieg über Djokovic, noch ein Jahr davor war Grigor Dimitrow in einem Überraschungsfinale gegen David Goffin erfolgreich.

Grand-Slam-Turniere weiter ein Fall für die großen Drei

Nur die Grand-Slam-Turniere sind immer noch großteils in der Hand der Allzeitgrößen des Tennis: Bei den Australian Open und in Wimbledon siegte Djokovic heuer gegen Nadal beziehungsweise Federer, in Paris und New York war Nadal gegen Thiem beziehungsweise Daniil Medwedew erfolgreich. "Die Wachablöse wird dann vollzogen sein", sagt Thiem zur Austria Presse-Agentur, "wenn der Erste, der in den Neunzigerjahren geboren ist, ein Grand-Slam-Turnier gewinnt."

Am liebsten wäre er dies freilich selbst, doch vorerst hat das Finalturnier Priorität. Mit seinen aufeinanderfolgenden Siegen über Federer und Djokovic hat er für sich selbst einen neuen Meilenstein gesetzt, nun gilt es, nach dem verlorenen letzten Gruppenspiel gegen Matteo Berrettini sowie der leichten Verkühlung der vergangenen Tage, den Fokus wieder neu zu finden. Er habe schon gemerkt, dass gegen den Italiener "die ganze Anspannung weg war, was einen Riesenunterschied ausmacht, wie ich mich bewege". Sorgen ob seines Gesundheitszustands brauche man sich aber keine zu machen, betont Thiem. Für ein, im besten Fall zwei Matches, wird die Energie noch reichen, dann ist die so oder so schon jetzt erfolgreichste Saison für den Österreicher und die anderen Teilnehmer am Finalturnier ohnehin beendet. Auch Federer hatte nichts dagegen, dass er die seine mit einem Hauch von Magie noch ein bisschen verlängern konnte. "Ich hatte noch keine Pläne für das Wochenende."