Rang 4 in der Weltrangliste, 7,84 Millionen Dollar, 5825 Punkte - es gab gewiss schon schwierigere Saisonen, die Dominic Thiem in seiner Karriere durchmachen musste. Weswegen man auch die griechische Tragödie im ATP-Finale am Sonntag in London, als er sich einem kreativen wie laufstarken Stefanos Tsitsipas knapp hatte geschlagen geben müssen, nicht allzu sehr auf die Waagschale legen sollte. Immerhin verließ Thiem London am Montag nicht bloß mit 800 Punkten und einem ordentlichen Preisgeld (1,25 Millionen Dollar), sondern auch mit wertvollen neuen Erkenntnissen und gestiegenem Selbstvertrauen.

Die Ausgangslage für die kommende Saison könnte besser nicht sein: Nicht nur bleiben die 800 Punkte aus London ein Jahr lang, quasi als zusätzliches Turnier, in seinem Punktekonto stehen. Auch ist Thiem an der Themse in die Top vier zurückgekehrt, was ein wichtiger Vorteil für die Setzung bei den Australian Open im Jänner in Melbourne ist. So kann er nicht vor dem Halbfinale auf die großen Drei - Rafael Nadal, Novak Djokovic und Roger Federer - treffen. "Er hat in Australien wenig zu verteidigen. Da gibt es viel Potenzial", frohlockte daher auch Thiems Manager Herwig Straka. Sein Schützling hatte bei den Australian Open heuer in Runde zwei angeschlagen aufgeben müssen.

Vielleicht wird Thiem im Falle einer Verkühlung dann anders auftreten. Denn das richtige Kopfdenken kann auch einen angeschlagenen Krieger gefährlicher machen. So hatte der Österreicher am Dienstag vor seinem überragenden Sieg über Novak Djokovic nach dem Aufwachen schon an eine Heimreise wegen einer starken Verkühlung gedacht - und dann zeigte er eine solche Leistung. Davon, was alles in ihm steckt, zeigte sich auch Thiem beeindruckt. "Das ist auch eine Sache, die mich sehr glücklich macht und zuversichtlich, falls das in der Zukunft wieder passiert. Ich habe mir selber bewiesen, dass es auch so geht", stellte der Tennis-Star fest. Mitnehmen von seinem ersten Endspiel beim ATP-Saison-Showdown wird er aber auch die Bestätigung seiner Steigerung auf Hartplatz in diesem Jahr. Wobei: Seinen ersten Sieg bei einem Masters-1000-Turnier im vergangenen März in Indian Wells wollte er da gar nicht ganz oben hinstellen. "Weil ehrlich, in Indian Wells ist der Hartplatz sehr langsam, fast wie auf Sand. Aber hier, in Wien, Peking oder Shanghai, wo ich wirklich gut gespielt habe: Das sind alles Beläge, auf denen ich in der Vergangenheit große Probleme gehabt habe. Ich habe einen Riesenschritt in die richtige Richtung gemacht", sagte Thiem. "Somit gehe ich auch mit einem sehr guten Gefühl in die Saisonvorbereitung."