Mit dem Grand Prix von Abu Dhabi endet am Sonntag (14.10 Uhr MEZ) eine lange Formel-1-Saison, in der beinahe alle Entscheidungen schon gefallen sind. Zum Weltmeister kürte sich erneut Lewis Hamilton, sein Team Mercedes räumte zum sechsten Mal hintereinander den Konstrukteurstitel ab, und auch der bisher mit Abstand zweiterfolgreichste Fahrer Valtteri Bottas fährt ein Auto mit dem silbernen Stern.

In den Freitagstrainings ließ sich der Finne, der vor dem Finale vor Red-Bull-Star Max Verstappen sowie den Ferrari-Piloten Charles Leclerc und Sebastian Vettel liegt, auch von seinen privaten Problemen nicht vom Kurs abbringen - davor hatte er die Trennung von seiner Frau aufgrund der Zeitnot, die das Formel-1-Leben mit sich bringt, bekannt gegeben - und erzielte die Bestzeit. Hamilton landete vor dem Ferrari-Duo Charles Leclerc und Sebastian Vettel auf Rang zwei.

Für Hamilton geht es trotz des bereits erreichten Titel-Ziels um einen standesgemäßen Abschied. In seinem 250. Grand Prix peilt der 34-jährige Brite seinen bereits 84. Sieg an. Damit möchte der sechsfache Champion ein weiteres Mal beweisen, dass er für den Ansturm der neuen Generation auch im nächsten Jahr bestens gerüstet ist.

Wachablöse wird kommen

"Es ist unvermeidlich, dass die Jungen einmal übernehmen werden", betonte Hamilton bereits nach dem jüngsten Rennen in Sao Paulo, das er nach einer nachträglichen Strafe wegen der Kollision mit Red-Bull-Pilot Alexander Albon letztlich nur auf Rang sieben beendet hatte. Das Durchschnittsalter auf dem Siegerpodest in Brasilien - hinter Verstappen (22 Jahre) landeten Pierre Gasly (23) im Toro Rosso und Carlos Sainz jr. (25) im McLaren auf den Ehrenplätzen - betrug deshalb nur 23 Jahre, acht Monate und 23 Tage.

Dieser historische Tiefstwert ist natürlich auch Hamilton nicht entgangen. "Ich habe das Gefühl, dass ich es mit diesen Burschen noch aufnehmen kann und bin deshalb gespannt auf die Zukunft", sagte der Engländer, der nun in Abu Dhabi zum 33. Mal en suite in den Punkterängen landen und damit seinen eigenen Rekord egalisieren kann.

"Hoffentlich haben wir im nächsten Jahr dann einen echten Drei- oder sogar Vierkampf um den Titel. Das wäre großartig für die Formel 1." Er selbst will freilich dabei eine große Rolle spielen. Mit sieben Titeln würde er den Allzeitrekord von Michael Schumacher egalisieren.

Ferrari um Wiedergutmachung

In Abu Dhabi hat Mercedes seit 2014 jedes Rennen gewonnen, viermal hieß der Sieger Hamilton (2011/noch für McLaren, 2014, 2016 und 2018). Diese Erfolgsserie will vor allem Ferrari beenden und seinen ersten Sieg in den Vereinigten Arabischen Emiraten bejubeln. Denn nach der Kollision zuletzt in Brasilien, wo der deutsche Ex-Weltmeister Vettel und sein monegassischer Stallrivale Leclerc auf einer Geraden ineinandergekracht und ausgeschieden waren, soll es einen versöhnlichen Abschluss für das Traditionsteam aus Maranello geben. "Natürlich ist es für Ferrari nie gut genug, Zweiter zu werden. Und wir blicken auf einen sehr intensiven Winter, um als Gruppe weiter zu wachsen. Das Ziel ist, für die bevorstehenden Herausforderungen stärker zurückzukommen", betonte Teamchef Mattia Binotto, der unter Druck steht. Denn seit 2007, als der Finne Kimi Räikkönen den Titel holte, wartet Ferrari auf einen Weltmeister in der Motorsport-Königsklasse. (apa/art)