Es kommt nicht oft vor, dass eine Mannschaft im Sport gerade einen Negativrekord aufstellt und sich gleichzeitig anschickt, eine Bestmarke zu setzen. Im Fall der San Antonio Spurs, jener Mannschaft, für die Österreichs NBA-Export Jakob Pöltl in der besten Basketball-Liga der Welt auf Korbjagd geht, könnte nun genau das eintreten. Zum einen erleben die Spurs ihre schlimmste Saison seit mehr als zwei Jahrzehnten, zum anderen würden sie mit der 23. Play-off-Teilnahme in Folge einen alleinigen Rekord aufstellen. Dementsprechend gemischt ist auch die Gefühlslage bei Pöltl. Die Situation sei "ziemlich frustrierend", sagte der 2,13 Meter große Wiener nach dem 98:132 gegen die Detroit Pistons, der elften Niederlage in den jüngsten 13 Spielen. Andererseits sei er "weiterhin ziemlich zuversichtlich", dass die Play-offs noch erreicht werden können. "Aber es ist natürlich klar, dass etwas passieren muss."

Offensichtlich ist auch, dass die Spurs ihre besten Zeiten hinter sich haben. Zwischen 1999 und 2014 gab es fünf NBA-Titel, ehe die - heuer allerdings auch schwächelnden - Golden State Warriors das Kommando in der NBA übernahmen. Zwar hat seither vor allem die Konkurrenz, angefangen von den Teams aus Los Angeles, personell aufgerüstet; im Vergleich zur vergangenen Saison sieht Pöltl den Kader aber nicht schlechter, sondern eher besser. Die Probleme liegen demnach mehr im mentalen Bereich, glaubt der 24-Jährige. "Das Selbstvertrauen und die Energie sind nicht da, wir schaffen es nicht, in unseren Spielen unser volles Potenzial abzurufen. Zu Hause und gegen bessere Teams schaffen wir es eher, gegen schwächere und mittelstarke weniger."

Der Superstar wartet

So gesehen trifft es sich vielleicht gar nicht schlecht, dass San Antonio im nächsten Spiel in der Nacht auf Donnerstag auf die Houston Rockets trifft, die - angeführt von NBA-Topscorer James Harden - eine starke Saison spielen. Der 30-jährige Harden liefert derzeit Glanzleistungen beinahe wie vom Fließband, zuletzt schaffte er beim 158:111-Sieg gegen die Atlanta Hawks 60 Punkte - und das, obwohl er im letzten Viertel gar nicht mehr zum Einsatz gekommen war.

Insgesamt war es schon das vierte Mal in der Karriere des siebenfachen All-Stars, dass er in einem Spiel 60 Punkte oder mehr erzielte, womit er nun auf einer Stufe mit Michael Jordan steht. Lediglich Wilt Chamberlain und Kobe Bryant haben diese Marke öfter überschritten. "Es ist, wie alles, was er macht, unglaublich", sagte jüngst sein Trainer Mike D’Antoni, und weder er noch Harden denken daran, dass die Erfolgsserie, bei der man aktuell bei 13 Saisonsiegen liegt, ausgerechnet gegen die kriselnden Spurs reißen könnte.

Dort macht man sich freilich weniger über den Gegner denn vielmehr über sich selbst Gedanken. Vor allem die Leistungen in der Defensive und die schwache Dreierquote beunruhigen das Team von Star-Trainer Gregg Popovich. Ein Teufelskreis, bei dem Panik nun gar nicht gebraucht werden kann, wie Pöltl meint. "Das hängt meiner Meinung nach alles zusammen und vom Selbstvertrauen und Rhythmus ab", sagt er. "Wenn wir hinten erfolgreich verteidigen, kommen wir ins Laufen, und dann fallen vorne auch die Würfe." Momentan sei es aber so, dass man sich selbst ein bisschen im Weg stünde. "Es ist, als würden wir nicht aus unserem eigenen Kopf herauskommen."