Das neue Jahr im Tennis beginnt, wie das alte aufgehört hat; es bleibt also alles anders sozusagen. Hatte sich Spanien vor erst sechs Wochen beim rundumerneuerten Daviscup-Finalturnier in Madrid den Titel gesichert, geht es ab Freitag in Australien um den ATP-Cup, einen weiteren neuen Mannschaftsbewerb für die besten Herren der Szene. Und das gilt durchaus im wahrsten Wortsinn: Während der von Fußballstar Gerard Piqué initiierte Daviscup neu nämlich von viel Murren und der Absage einiger Spitzenspieler begleitet war, sind bei der neuen Veranstaltung in Australien abgesehen von Roger Federer und dem derzeit verletzten Matteo Berrettini, einem der Durchstarter der vergangenen Saison, alle Top-Ten-Asse dabei.

Für sie geht es gleich zu Jahresbeginn schon um einiges: Zum einen ist es die perfekte Vorbereitung auf die am 20. Jänner beginnenden Australien Open, das erste Grand-Slam-Turnier des Jahres, zum anderen bietet sich die Chance, wichtige Punkte für die Weltrangliste zu sammeln - ein Vorteil gegenüber dem Daviscup, dessen Veranstalter, der Weltverband ITF, sich seit einiger Zeit nicht unbedingt im besten Einvernehmen mit der Profi-Dachorganisation der Herren, der ATP, befindet. Nicht zuletzt aus diesem Grund erscheint derzeit auch eine Fusion der beiden Teambewerbe, die einige Topspieler wie Novak Djokovic und Rafael Nadal fordern, utopisch.

Probleme mit der Luft

Die meisten Spieler und Betreuer äußern sich allerdings positiv im Vorfeld der Veranstaltung, bei der 24 Mannschaften an den Schauplätzen Sydney, Brisbane und Perth um den Einzug ins Viertelfinale spielen. "Ich mag die Idee mit dem Teamspirit und die Idee mit dem ATP-Cup. Das bringt es auf ein neues Level. Es ist ein sehr wertvoller Event", sagt Österreichs Kapitän Thomas Muster vor dem Auftakt seines Teams gegen Kroatien am Samstag (ab 7.30 Uhr/Servus-TV), bei dem zunächst Dennis Novak gegen Marin Cilic und im Anschluss Dominic Thiem gegen Borna Cilic spielt. Steht es nach den beiden Einzeln 1:1, entscheidet ein Doppel, für das Muster Oliver Marach und Jürgen Melzer mit in seine ehemalige Wahlheimat genommen hat.

Dort ist freilich nicht allen derzeit nach Tennis zumute. Zwar bedrohen die schweren Buschbrände nicht unbedingt die Schauplätze der Tennis-Veranstaltung, doch die Rußpartikel und der Feinstaub in der Luft könnten gesundheitliche Probleme für Spieler und Zuschauer verursachen. Sollte die Luftqualität zu schlecht sein, müssten Spiele unterbrochen und verschoben werden, erklärt Turnierdirektor Tom Larner. Unter Berücksichtigung der Wettersituation sollen eigene medizinische Experten auf der Anlage dafür sorgen, dass die Gesundheit von Spielern, Fans und Mitarbeitern zu keinem Zeitpunkt gefährdet ist.

Die Österreicher wollen sich davon aber nicht beeinflussen lassen. In der Gruppe mit Kroatien, Argentinien und Polen ist der Aufstieg ins Viertelfinale für den Weltranglistenvierten Thiem ("Wir sind sehr aufgeregt") und seine Kollegen durchaus möglich. Es wäre zumindest eine kleine Entschädigung für das Verpassen des Daviscup-Finalturniers. Zumindest in dieser Hinsicht können sich Österreichs Herren ob der neuen Vielzahl an Bewerben glücklich schätzen.(art/apa)