Österreich hat bei der Handball-EM in Österreich, Schweden und Norwegen den zweiten Schritt in Richtung Hauptrunde getan. Am Sonntag siegte der Co-Gastgeber gegen die Ukraine in einer lange Zeit sehr engen Partie 34:30, wobei die Entscheidung erst in den Schlussminuten fiel. Am Dienstag folgt das letzte Vorrundenspiel gegen Nordmazedonien. Fix in der Hauptrunde ist Österreich noch nicht.

Die Ukraine war seit der letzten EM in Österreich vor zehn Jahren bei keinem Turnier mehr vertreten. Insofern war die Mannschaft ein bisschen eine Unbekannte, man könnte aber auch sagen: eine alte, nicht gerade gute Bekannte. Denn das letzte Pflichtspiel 2008 in Traun gewann die Ukraine gegen Österreich mit 15 Tore Unterschied.

Danach passierte aber viel im österreichischen Handball, im ukrainischen offenbar weniger. Dagur Sigurdsson wurde Teamchef und machte binnen zwei Jahren aus einer dürftigen Truppe eine seriöse Kraft, die bei der Heim-EM sogar auf Platz neun landete. Zwei Spieler, die 2008 von der Ukraine noch schwer bedient wurden, Robert Weber und Janko Bozovic, sind nach wie vor beim Team dabei. Und sie waren es auch am Sonntag.

Größenunterschied von Relevanz

Und noch etwas passierte: Sergej Bilyk, ukrainischer Torhüter damals im Dienste der Fivers aus Wien, saß bei jenem Spiel in Traun auf der Tribüne. Er war in der Nationalmannschaft zu dieser Zeit nicht mehr gewünscht. Dass er damals in Begleitung seines elfjährigen Sohnes Nikola war, kann man vermuten. Und wenn, dann hat der Bub jedenfalls keinen nachhaltigen Schaden durch diese Partie genommen. Heute ist Nikola Bilyk 23 Jahre alt, spielt beim deutschen Spitzenklub THW Kiel und glücklicherweise in der österreichischen Nationalmannschaft.

Zum Auftakt gegen Tschechien war Bilyk mit zwölf Treffern auch der überragende Mann, doch gegen die Heimat seiner Eltern hatte er ein Problem: die ukrainische Deckung, bestehend aus einer riesigen Wand. Gleich fünf Spieler der Ukrainer messen zwei Meter und mehr, Österreich musste anders agieren als noch am Freitag. Und es gab auch einen zweiten Grund dafür. Die Ukrainer nahmen über weite Strecken des Spiels in der Offensive ihren Goalie heraus, um mit sieben Mann angreifen zu können. "Das war schon sehr, sehr schwierig", sagte Flügelspieler Sebastian Frimmel. "Wir haben alles versucht, aber es ist einfach extrem schwer, zu verteidigen."

Entscheidung kurz vor Schluss

Mit der Wucht der Ukrainer hatten die Österreicher ihre liebe Not, dafür spielten sie vorne variabler, banden auch verstärkt die Flügel ein, wie acht Treffer durch Robert Weber bewiesen. Es klappte nicht schlecht, auch wenn einige Würfe an der Deckungswand abprallten. Das größere Problem war, dass die österreichische Defensive der Physis des ukrainischen Angriffs kaum gewachsen war. Buchstäblich. Der Größenunterschied war doch von Relevanz. Wobei die Ukrainer den Ball auch gut zirkulieren ließen und sich die Hereinnahme eines siebenten Spielers statt des Goalies auszahlte. Nur selten konnten die Österreicher durch einen Ballgewinn samt Wurf aufs leere Tor daraus Kapital schlagen. Aber einmal ganz entscheidend.

Die Führung wechselte erst mehrfach, kein Team konnte sich absetzen. Das höchste der Gefühle waren zwei Tore Unterschied, einmal für die Ukrainer, mehrmals für die Österreicher. Wie so oft im Handball brachten dann ein, zwei Aktionen die Entscheidung. In diesem Fall für Österreich. Erst fing Weber einen Pass ab und traf über das ganze Spielfeld ins verwaiste Tor zur abermaligen Führung, dann beendeten die Ukrainer zwei Angriffe mit einem Fehlwurf und einem Stürmerfoul statt mit einem Tor, Österreich traf hingegen zur Zwei- und dann Drei-Tore-Führung.

Bilyk war mit neun Treffern zwar erneut bester Werfer, allerdings scheiterte er auch sechs Mal. Am Freitag hatte er nur bei einem Versuch nicht getroffen. Auch Bozovic, in der ersten Hälfte noch schwach, zum Teil auch nach einem Schlag leicht blessiert, traf sieben Mal.

Österreich ist allerdings auch dank des zweiten Sieges noch nicht fix in der Hauptrunde, da zuvor Tschechien Nordmazedonien mit 27:25 bezwangen, das am Dienstag (18.15 Uhr) der letzte Gegner der Vorrunde ist. Die ersten beiden steigen in die Hauptrunde auf. Ausgeschieden ist hingegen Mitfavorit Frankreich, das nach der Niederlage gegen Portugal auch den gastgebenden Norwegern 26:28 unterlag. Auch Polen bezog die zweite Pleite, und zwar gleich mit sieben Treffern Differenz gegen die Schweiz.