Während Österreichs Handballer bei der EM am Dienstag nach bisher zwei Siegen in die Hauptrunde einziehen können, hat in Frankreich das vorzeitige Ausscheiden des sechsfachen Welt- und dreifachen Europameisters für Aufsehen gesorgt. Auch wenn Les Bleus in Olympiajahren traditionell schwächeln, kam das Ende bei der von Österreich, Norwegen und Schweden gemeinsam veranstalteten EM überraschend früh. Eine große Frage steht im Raum: War das nun das Ende von Frankreichs einst goldener Handball-Generation?

Die Auftaktniederlage gegen EM-Comebacker Portugal war der Schritt in den Abgrund, das 26:28 gegen Norwegen in Trondheim der finale Sargnagel. "Was machen wir mit dieser gescheiterten Euro, und was können wir daraus lernen?", fragte Frankreichs Superstar Nikola Karabatic danach. Frankreichs Medien reagierten jedenfalls geschockt. "Das ist ein Erdbeben. Das Haus Frankreich ist nur noch ein Ruinenfeld nach diesem erbärmlichen Ausscheiden", schrieb die Zeitung "Le Parisien" am Montag. "Die Blauen erwartet eine jämmerliche Heimkehr", hieß es bei "Le Monde". Und die "L'Equipe" sprach von einer "Ohrfeige".

Nicht zu übersehen war bei dieser EM, dass Karabatic mittlerweile weit von dem Leistungsvermögen entfernt ist, das ihn einst auszeichnete. Angesichts seines fortgeschrittenen Alters ist das keine Überraschung. Auch Teamkollegen wie Luc Abalo (35), Michael Guigou (37) oder Cedric Sorhaindo (35), die gemeinsam mit Karabatic eine Ära im Nationalteam prägten, sind in die Jahre gekommen. Andere Spieler dieser großen Generation wie Daniel Narcisse oder der ehemalige Weltklasse-Keeper Thierry Omeyer haben ihre Karrieren schon beendet.

Top-Talente wie Elohim Prandi oder der 22-jährige Romain Lagarde können noch nicht die Lücken füllen, die durch das fortgeschrittene Alter von Karabatic und Co. entstanden sind. "Nach dem norwegischen Desaster haben die Blauen drei Monate Zeit, um alles zu ändern", schrieb "Le Parisien". Dann steht das Qualifikationsturnier für Olympia an. Die Spiele im Sommer in Tokio sind eines der letzten großen Ziele von Karabatic. (apa/dpa)