Spielen, Schlafen, Trainieren, Schlafen, Spielen. Das ist der Rhythmus einer Handball-EM. Wobei nur das Spielen und das Trainieren fix sind, das Schlafen kann zum Problem werden. Der Körper würde es schon nötig haben, aber ein EM-Spiel vor circa 8000 sehr lauten Zuschauern hat auf die Spielerkörper eine Wirkung wie fünf Mokka. Dazu kommt ein anderer Rhythmus der EM: BAMM! BAMM! BAMM! in gesundheitsgefährdender Lautstärke aus den Boxen in der Stadthalle. Die lauten Fans werden mit sehr, sehr viel lauterer Musik bzw. "Musik" noch zusätzlich aufgehusst - bis dieser Sport nicht nur den Spielern schmerzt.

So ein Handball-Turnier hat schon etwas sehr Forderndes, vielleicht sogar Überforderndes. Seit einigen Jahren gibt es immerhin nach jedem Spiel einen Ruhetag. In den 90er Jahren wurde noch teilweise täglich gespielt, ehe im europäischen Verband offenbar der Humanismus ausbrach und Spielpausen in die Turnierpläne aufgenommen wurden.

Österreich hat bei der halben Heim-EM jedenfalls gut in den Rhythmus gefunden. Die ersten beiden Partien gegen Tschechien und die Ukraine wurden knapp gewonnen, der finale Akt in der Vorrunde steigt am Dienstag (18.15 Uhr) gegen Nordmazedonien. Bei einem Sieg oder einem Remis ist die Hauptrunde fix. Aber auch eine Niederlage könnte reichen, zum Beispiel, wenn die Ukraine in ihrem letzten Spiel Tschechien bezwingen sollte. Diese Partie findet am Dienstag jedoch erst im Anschluss an das Österreich-Spiel statt, das sollte man sich eher ersparen. Besser also, man gewinnt gegen Nordmazedonien.

Einmal ist das Österreich bisher gelungen, dreimal jedoch nicht. Die Mazedonier haben seit 2012 an jedem WM- oder EM-Turnier teilgenommen, und Kapitän Kiril Lazarov, so sagt es Österreichs Flügelspieler Sebastian Frimmel, "war ungefähr jedes Mal Torschützenkönig". Das ist gar nicht einmal schlecht geschätzt, dreimal ist es ihm tatsächlich gelungen. Auch sonst war stets vorne dabei. Er hat für sein Land bereits mehr 1700 Tore erzielt. Abgesehen von seiner Klasse und der Wurfgewalt ist auch die Dauer der Karriere für diese außergewöhnliche Zahl an Toren verantwortlich. Lazarov ist bereits 39 Jahre alt, für einen Rückraumspieler ist das schon sehr fortgeschritten. Möglich, ja sogar wahrscheinlich, dass der Rhythmus einer EM dann schon auch zum Problem wird. Aber Österreich sollte nicht damit rechnen, dass dieses Problem bereits am Dienstag eintreten wird. Gegen Tschechien war Lazarov, natürlich, mit elf Treffern wieder bester Werfer.