Österreich hat sein Ziel bei der Handball-EM 2020 erreicht und ist am Dienstag in die Hauptrunde eingezogen. Und wie. Das letzte Vorrundenspiel gegen Nordmazedonien wurde zur unverhofften Gala samt Gelegenheit, Nerven und Kräfte zu schonen. Österreichs Handballer siegten 32:28, hatten aber zwischenzeitlich mehr als zehn Tore Vorsprung. Schon in zwei Tagen geht es in Wien mit der Hauptrunde und der Partie gegen Kroatien weiter.

In den ersten beiden Spielen gegen Tschechien und die Ukraine hat Österreich noch die erwarteten Schwächen in der Deckung, aber auch die erhofften Stärken im Angriff offenbart. Vor allem der Rückraum war stark, Nikola Bilyk und Janko Bozovic in ihrer Form des Lebens, zumindest im Teamdress. Vor allem aber hat die Mannschaft in den heiklen Phasen Coolness bewiesen, die Gegner weniger, und das war am Ende jeweils entscheidend.

Starke Nordmazedonier - diesmal schwach

Die guten Leistungen, die zwei Siege, die gute Stimmung. Alles hätte mit einem Akt vorbei sein können. "Ich hatte Angst", sagte Teamchef Alex Pajovic. Der letzte Vorrundengegner am Dienstag, Nordmazedonien, hat nämlich schon eine erlesene Handballmannschaft vorzuweisen. Sie ist Dauergast bei EM- und WM-Turnieren, Serienmeister Vardar Skopje hat in den vergangenen drei Jahren zweimal die Champions League gewonnen. Und ein echtes Heimspiel für Österreich war es auch nicht. Nicht ganz die Hälfte der 7500 Zuschauer in der Stadthalle waren in Rot-Gelb gekleidet. Eine Niederlage, zumindest eine etwas höhere, hätte das Aus bedeuten können. Selbiges galt freilich auch für Nordmazedonien.

Kurioserweise, und aufgrund sporttabellarischer Arithmetik, hätte den Gästen ein hoher Sieg gegen Österreich aber auch schaden können, da sie dann zwar aufgestiegen wären, aber keine Punkte in die Hauptrunde mitgenommen hätten. Aber diese Frage war ohnehin recht bald geklärt, Österreich früh vorne und Nordmazedonien insgesamt enttäuschend. Die ÖHB-Equipe war aber in der Deckung stark verbessert, man ließ Star Kiril Lazarov wenig Platz, deckte ihn durch Sebastian Frimmel offensiv. Das fruchtete. Im Tor bot Thomas Eichberger aus Graz, eigentlich nur die Nummer zwei, dann noch dazu eine Weltklasseleistung mit einer Quote von 37 Prozent. Er wurde auch zum Man of the Match gekürt. Zur Pause führte Österreich bereits mit 18:12.

Teamchef Pajovic konnte einige Spieler schonen

Da sich Österreich auch eine knappe Niederlage hätte leisten können, war das Weiterkommen mehr oder weniger schon zur Halbzeit fast fix, jedenfalls aber nach den ersten Minuten nach Wiederbeginn, in denen Österreich weiter auf 24:13 davon zog. Pajovic wartete vielleicht ein bisschen zu lange, seine bereits arg belasteten Spieler zu schonen, aber sicher ist sicher. Und es wollte auch niemand raus, wie der Trainer nach Spielende erzählte. Aber auch der zweite Anzug ließ nichts mehr anbrennen, auch wenn der große Vorsprung etwas schmolz.

Am Donnerstag wird Kroatien der erste Gegner in der Hauptrunde sein (die Uhrzeit ist noch unsicher), im Zwei-Tages-Takt geht es dann gegen Spanien, Deutschland und Weißrussland. Spielort ist in allen Partien erneut die Wiener Stadthalle. Die ersten beiden ziehen ins Halbfinale ein, da ist Österreich mehr als nur großer Außenseiter. "Aber wir können träumen", sagt Pajovic. Immerhin nimmt Österreich so wie die Kroaten und Spanier zwei Punkte aus der Vorrunde mit. Deutschland nicht. Und wenn Österreich so spielt wie gegen Nordmazedonien, ist tatsächlich vielleicht noch was möglich. Es war eine in jeder Hinsicht überragende Leistung: vom Torhüter bis zum Angriff.