Österreichs Handballer wollten ein "bisschen träumen". Das war die Losung von Österreichs Teamchef Ales Pajovic vor Beginn der EM-Hauptrunde in Wien und Malmö. In einer ausverkauften und also sehr lauten Stadthalle kann man allerdings schnell erwachen. Und das war am Donnerstag auch der Fall. Österreich unterlag Kroatien mit 23:27

Wobei, und das sei schon dazu gesagt, nicht Freddie Mercury, DJ Ötzi und Groove Armanda dafür Verantwortung trugen, und auch nicht der Hallen-DJ, der sie und andere Größen der Partymusik durch die voll aufgedrehten Lautsprecher jagte, sondern die Herren Domagoj Duvnjak, Luka Cindric, Zlatko Horvat und Kollegen.

Im Angriff fehlte die Durchschlagskraft

Kroatien hat wie Österreich alle Vorrundenspiele gewonnen, im Gegensatz zu den Gastgebern war dies aber erwartet worden. Die Kroaten sind ein Kandidat auf den Titel, und das bewiesen sie auch zum Auftakt der Hauptrunde gegen Österreich. Mit herausragender Deckungsarbeit nahmen sie dem bisher starken Angriff der ÖHB-Mannschaft jegliche Durchschlagskraft. Bei einer Wurfquote von nur 40 Prozent war bereits zur Pause nahezu alles entschieden. In der Vorrunde lag man bei rund 70 Prozent. Zu Beginn konnte Österreich noch mithalten, zur Pause stand es aber bereits 13:8.

Wäre alles anders gekommen, hätte Österreich die zweimalige Chance auf eine Zwei-Tore-Führung beim Stand von 4:3 nutzen können? Wäre der Ball nicht unglücklich an die Latte gegangen? Es ist kaum vorstellbar, der Unterschied war doch markant. Hinten in der Deckung schlossen die Hausherren durchaus an die Leistungen der Vorrunde an, und Goalie Thomas Eichberger war erneut in großer Form. Seine Paraden hielten Österreich auch länger im Spiel, doch mit weniger als zehn Toren in 30 Minuten lässt sich im Handball kein Spiel gewinnen. "Ich denke, wir hatten in der ersten Hälfte ein bisschen zu viel Respekt", sagte Teamchef Ales Pajovic.

Bilyk wirkte etwas müde

Zur starken Defensivleistung der Kroaten gesellte sich schon auch etwas Pech. Gleich vier Lattentreffer allein vor der Pause, ein paar Schiedsrichterentscheidungen, mit denen die Österreicher zurecht haderten. Zudem musste der bisher so starke Rückraumwerfer Janko Bozovic wegen einer kleinen Blessur länger draußen sitzen, und Boris Zivkovic war dann kein gleichwertiger Ersatz. Aber auch Österreichs bisher Bester, Nikola Bilyk, kam bei weitem nicht so zur Geltung wie in der Vorrunde. Er mühte sich, traute sich aber sichtbar weniger Würfe zu, die Leichtigkeit in seinem Spiel war verfolgen. Vielleicht die Müdigkeit? Der Respekt vor den Kroaten? Am Ende kam er nur auf drei Treffer. Es war insgesamt einfach zu wenig.

In der zweiten Hälfte klappte zwar vorne einiges besser, aber das war wohl auch den Kroaten geschuldet, die einen Gang zurückschalteten. Sie waren nie in Gefahr, die Partie aus der Hand zu geben. Die Österreicher kamen auf maximal vier Tore heran, sie hielten so die Niederlage in Grenzen. Insgesamt war das Spiel aber doch ein eher unangenehmes Erweckungserlebnis nach der Träumerei nach der Vorrunde.

Am Samstag (18.15 Uhr) folgt der nächste Auftritt gegen Spanien, das zuvor mit einem überzeugenden 31:25 gegen Tschechien in die Hauptrunde gestartet war. Deutschland bezwang in Wien die ebenfalls als Außenseiter in die Hauptrunde eingezogenen Weißrussen ungefährdet 31:23. Will Österreich das Halbfinale erreichen, muss man diese Partie gewinnen, aber das wird ähnlich schwer bis unmöglich wie gegen die Kroaten. Zumal Teamchef Pajovic auch verstärkt den (bisherigen) Reservisten Einsatzzeit geben muss. Zu fordernd ist eine EM mit ihrem Zwei-Tages-Rhythmus. Am Freitag wird in Malmö gespielt. Dort stehen die Partien Slowenien gegen Island (16 Uhr) Norwegen gegen Ungarn (18.15 Uhr) und Portugal gegen Schweden auf dem Programm. Die besten zwei der beiden Gruppen steigen ins Halbfinale auf.