Seit 2013 hat kein NFL-Team mehr die Super Bowl erreicht, das in der ersten Play-off-Runde gespielt hat. Die Tennessee Titans wollen am Sonntag (21.05 Uhr MEZ) ihrem eigenen Beispiel folgen und mit einem Sieg im AFC-Finale bei den Kansas City Chiefs zum zweiten Mal als Wild-Card-Team ins Endspiel einziehen. Den anderen Conference-Showdown bestreiten San Francisco 49ers und Green Bay Packers.

Erfolgsgarant der Titans bei den Siegen gegen Titelverteidiger New England und zuletzt Baltimore war Running Back Derrick Henry, der die gegnerischen Abwehrreihen buchstäblich mit der Wucht eines Bulldozers planierte. Seine 377 Yards Laufleistung in diesen beiden Spielen sind ein neuer Play-off-Rekord. "Ich denke, dass wir mit einer Menge Selbstvertrauen spielen können, denn wenn man den Football gegen die Baltimore Ravens und die New England Patriots bewegen kann, ist das ein gutes Zeichen", sagte Chefcoach Mike Vrabel. Mit 1,91 Metern Körpergröße und 110 Kilogramm sprengt Henry die vermeintlichen Idealmaße für seine Position, der 26-Jährige aus Florida ist aber dennoch athletisch und schnell - und daher schier unaufhaltsam, wenn er einmal Fahrt aufgenommen hat. Den richtigen Riecher bewies Vrabel dazu im Oktober, als er Marcus Mariota auf die Bank setzte und Ryan Tannehill zum Quarterback bestimmte. Seitdem gewannen die Titans neun von zwölf Partien und zwängten sich noch als Zweiter der AFC South mit einer Wild-Card ins Play-off-Feld. Das bedeutete aber, dass es für Tennessee kein spielfreies Wochenende nach der Regular Season gab. Zudem müssen Tannehill und Co. ausnahmslos auswärts antreten. Es sind Hürden, angesichts derer es kein Wunder ist, dass Wild-Card-Teams meistens eher früh auf der Strecke bleiben. Seit 1990, als das aktuelle Format mit zwölf Play-off-Teilnehmern eingeführt wurde, gab es erst fünf Super-Bowl-Champions auf einem Wild-Card-Ticket. Insgesamt schafften es sieben Wild-Card-Teams ins große Endspiel. Als bisher letztes Team, das in der ersten Play-off-Runde im Einsatz war, erreichte Baltimore 2013 die Super Bowl. Die Ravens, die die Super Bowl XLVII gegen die San Francisco 49ers dann auch gewannen, waren damals allerdings nicht via Wild-Card, sondern als Division-Sieger automatisch in die Play-offs gekommen. (In der ersten Runde sind insgesamt vier Wild-Card-Teams und vier Division-Gewinner vertreten, aus Marketing-Gründen fasst die NFL aber alle Partien als "Wild-Card Weekend" zusammen.)

Als größter Erfolg der Titans gilt bis jetzt der Super-Bowl-Einzug im Jahr 2000. Damals unterlag man als Wild-Card-Team den St. Louis Rams. Dabei ist das Franchise älter, als man vermuten würde. Schließlich ist der in Nashville beheimatete Klub der Nachfolger der Houston Oilers, die 1959 gegründet worden waren. Von 1977 bis 1982 kickte Österreichs einstiger NFL-Star Toni Fritsch in Ost-Texas. 1997 übersiedelte Besitzer Bud Adams sein Team nach Tennessee, weil dort der Steuerzahler ein brandneues Stadion für ihn bezahlte. Der Name "Titans" besteht seit 1999, heuer wollen sie ihm gerecht werden.(apa)